Ratgeber · Akustik

Schallschutz im Büro: dB-Werte, DIN 4109 und was wirklich hilft

Was Bauherren, Facility-Manager und Planer über Schallschutz und Raumakustik im Büro wissen müssen – von den Normen bis zur konkreten Umsetzung.

Aktualisiert 10. Juli 20269 min LesezeitRedaktion Die Objekteinrichtung

Schallschutz ist im Büro selten ein einzelnes Bauteil-Problem, sondern das Zusammenspiel aus Trennwand, Decke, Boden, Türen und Möblierung. Wer den Rw-Wert einer Wand betrachtet, ohne die flankierenden Bauteile einzurechnen, wird bei der Abnahme regelmäßig 5–10 dB unter dem Planungswert landen. Dieser Artikel erklärt die relevanten Normen, ordnet die Kennwerte ein und zeigt, welche Maßnahmen im Bestand und im Neubau wirklich messbar Ruhe bringen.

Schallschutz-Grundlagen: Rw, R'w und STC

Der Rw-Wert (bewertetes Schalldämmmaß) ist der zentrale Kennwert. Er beschreibt in einem einzigen Dezibel-Wert, wie viel Schall ein Bauteil zwischen zwei Räumen dämpft. Wichtig: Der Prüfstandwert Rw wird im Labor gemessen – auf der Baustelle liegt der reale Wert R'w typischerweise 2–5 dB niedriger, weil Schall auch über Decke, Boden und angrenzende Wände (Flankenübertragung) übertragen wird.

Als Faustregel: 10 dB Unterschied werden vom Ohr als "halb so laut" empfunden. Der Sprung von einer 32-dB-Wand zu einer 42-dB-Wand ist also nicht "ein bisschen leiser", sondern eine völlig andere Raumqualität. Die US-amerikanische STC-Skala liegt in der Regel 1–3 Punkte über dem Rw – ein direkter Vergleich ist unzulässig.

DIN 4109 und DIN 18041 – zwei Normen, zwei Themen

DIN 4109: Schallschutz zwischen Räumen

Die DIN 4109 regelt den baulichen Schallschutz und ist bauaufsichtlich eingeführt. Für Büros nennt sie Mindestwerte zwischen fremden Nutzungseinheiten (Rw ≥ 37 dB), gibt aber keinen verbindlichen Wert für Wände zwischen Räumen desselben Mieters. Hier entscheidet die vertragliche Vereinbarung – üblich sind 37 dB Standard, 42 dB "erhöht", 47 dB "vertraulich".

DIN 18041: Hörsamkeit in Räumen

Die DIN 18041 regelt die Akustik innerhalb eines Raums – wie hallig oder wie ruhig er wirkt. Zentrale Größe ist die Nachhallzeit T (Sekunden), die je nach Raumvolumen und Nutzung Sollwerten folgen muss. Für Besprechungsräume liegt die Soll-Nachhallzeit bei 0,4–0,6 s, für Großraumbüros bei 0,4–0,5 s.

Welche dB-Werte für welchen Raum?

NutzungEmpfohlener RwBegründung
Open Space (Zonen-Trennung)35 dBSichttrennung, akustische Beruhigung
Zellenbüro Standard37 dBKonzentriertes Arbeiten
Meeting-Raum42 dBSprachverständlichkeit im Nachbarraum verhindern
Beratung / HR / Arzt44–47 dBVertraulichkeit gemäß DSGVO
Geschäftsführung / Board47–52 dBDiskretion, auch für laute Diskussionen

Trennwand-Systeme im Vergleich

Nicht jedes Wandsystem erreicht jeden Wert. Die typischen Bandbreiten:

  • Ganzglaswand einfach verglast: Rw 32–37 dB
  • Ganzglaswand doppelt verglast: Rw 42–47 dB
  • Systemtrennwand mit Vollpaneel: Rw 42–52 dB
  • Massive Trockenbauwand (mehrschalig): Rw 52–60 dB

Die Auswahl entscheidet über Kosten und Rückbaubarkeit. Details zu unseren Systemen finden Sie unter Systemtrennwände und Ganzglaswände. Für ein realistisches Bild der Kostenseite: Glastrennwand Kosten 2026.

Raumakustik & Nachhallzeit

Ein Meeting-Raum mit Rw 42 dB nützt nichts, wenn drinnen alles nachhallt und die Videokonferenz auf der Gegenseite unverständlich ankommt. Die Nachhallzeit sinkt mit der Menge und Qualität absorbierender Flächen – gemessen als äquivalente Absorptionsfläche A in m².

In Bestandsbüros sind es meist Decke und Wände, die als harte Flächen den Hall erzeugen. Deckensegel, Wandabsorber (Klasse A) und Teppichfliesen kombinieren sich in der Praxis am besten. Reine Möbel-Akustik (Akustik-Trennwände auf Tischen) hilft lokal, aber nicht raumweit.

Konkrete Maßnahmen, sortiert nach Wirkung

  1. Deckenabsorber (Klasse A): −0,3 bis −0,6 s Nachhallzeit, wirkt raumweit.
  2. Systemtrennwände statt offener Zonen: −8 bis −15 dB(A) am Arbeitsplatz.
  3. Office-Pods für Calls: verhindern die Hauptlärmquelle, siehe Pod-Vergleich.
  4. Wandabsorber im Sichtfeld: gute Wirkung bei Sprachfrequenzen 500–2.000 Hz.
  5. Teppichboden statt Hartboden: −2 bis −4 dB(A) Trittschall.

Kostenübersicht

MaßnahmePreis abWirkung
Wandabsorber (Klasse A)90 €/m²Sprachverständlichkeit
Deckensegel140 €/m²Nachhall raumweit
Systemtrennwand Vollpaneel310 €/m²Rw 42–47 dB
Ganzglaswand doppelt520 €/m²Rw 42–47 dB, transparent
Office-Pod 1P6.900 €Rw 30–34 dB Kabine

Alle Preise sind Richtwerte für Deutschland inkl. Montage, ohne MwSt. Für Ihre konkrete Fläche rechnen wir gerne ein individuelles Konzept durch – siehe auch Büroplanung-Checkliste.

Häufige Fragen

Welcher dB-Wert ist für Bürotrennwände sinnvoll?

Für Standard-Zellenbüros reichen Rw 35–37 dB. Sobald Vertraulichkeit gefordert ist (HR, Geschäftsführung, Beratung), sollten es Rw 42–47 dB sein. Meeting-Räume mit Videokonferenzen brauchen mindestens 42 dB, damit angrenzende Arbeitsplätze nicht gestört werden.

Was ist der Unterschied zwischen Schallschutz und Raumakustik?

Schallschutz (DIN 4109) beschreibt die Dämmung zwischen zwei Räumen, gemessen in Rw (dB). Raumakustik (DIN 18041) beschreibt den Klang innerhalb eines Raums – vor allem die Nachhallzeit T. Beide Themen werden oft verwechselt, brauchen aber unterschiedliche Maßnahmen.

Wie laut ist ein typisches Großraumbüro?

Ohne akustische Behandlung liegen Großraumbüros regelmäßig bei 55–65 dB(A) – deutlich über den 45–55 dB(A), die für konzentrierte Arbeit empfohlen werden. Absorber, Pods und Zonierung reduzieren den Pegel um 3–8 dB(A).

Wie viel kostet Schallschutz nachträglich?

Wandabsorber ab 90 €/m², Deckensegel ab 140 €/m², Office-Pods ab 6.900 €. Eine akustische Grundoptimierung eines Großraumbüros liegt typischerweise bei 45–90 €/m² Bürofläche.

Muss ich Schallschutz messen lassen?

Bei Neubau/Umbau von Verwaltungsgebäuden schreibt die DIN 4109 Mindestwerte vor, die im Zweifel bauakustisch nachzuweisen sind. Für die Raumakustik nach DIN 18041 empfehlen wir eine Messung nach Fertigstellung – der Aufwand liegt bei 400–900 € pro Raum.

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