Ratgeber · Akustik

Schallschutz Büro: dB-Werte, Normen und was wirklich hilft

Was Bauherren, Facility-Manager und Planer über Schallschutz und Raumakustik im Büro wissen müssen – von den Normen bis zur konkreten Umsetzung.

Aktualisiert 12. August 202612 min LesezeitRedaktion Die Objekteinrichtung

Schallschutz ist im Büro selten ein einzelnes Bauteil-Problem, sondern das Zusammenspiel aus Trennwand, Decke, Boden, Türen und Möblierung. Wer den Rw-Wert einer Wand betrachtet, ohne die flankierenden Bauteile einzurechnen, wird bei der Abnahme regelmäßig 5–10 dB unter dem Planungswert landen. Dieser Artikel erklärt die relevanten Normen, ordnet die Kennwerte ein und zeigt, welche Maßnahmen im Bestand und im Neubau wirklich messbar Ruhe bringen.

Schallschutz-Grundlagen: Rw, R'w und STC

Der Rw-Wert (bewertetes Schalldämmmaß) ist der zentrale Kennwert. Er beschreibt in einem einzigen Dezibel-Wert, wie viel Schall ein Bauteil zwischen zwei Räumen dämpft. Wichtig: Der Prüfstandwert Rw wird im Labor gemessen – auf der Baustelle liegt der reale Wert R'w typischerweise 2–5 dB niedriger, weil Schall auch über Decke, Boden und angrenzende Wände (Flankenübertragung) übertragen wird.

Als Faustregel: 10 dB Unterschied werden vom Ohr als "halb so laut" empfunden. Der Sprung von einer 32-dB-Wand zu einer 42-dB-Wand ist also nicht "ein bisschen leiser", sondern eine völlig andere Raumqualität. Die US-amerikanische STC-Skala liegt in der Regel 1–3 Punkte über dem Rw – ein direkter Vergleich ist unzulässig.

DIN 4109 und DIN 18041 – zwei Normen, zwei Themen

DIN 4109: Schallschutz zwischen Räumen

Die DIN 4109 regelt den baulichen Schallschutz und ist bauaufsichtlich eingeführt. Für Büros nennt sie Mindestwerte zwischen fremden Nutzungseinheiten (Rw ≥ 37 dB), gibt aber keinen verbindlichen Wert für Wände zwischen Räumen desselben Mieters. Hier entscheidet die vertragliche Vereinbarung – üblich sind 37 dB Standard, 42 dB "erhöht", 47 dB "vertraulich".

DIN 18041: Hörsamkeit in Räumen

Die DIN 18041 regelt die Akustik innerhalb eines Raums – wie hallig oder wie ruhig er wirkt. Zentrale Größe ist die Nachhallzeit T (Sekunden), die je nach Raumvolumen und Nutzung Sollwerten folgen muss. Für Besprechungsräume liegt die Soll-Nachhallzeit bei 0,4–0,6 s, für Großraumbüros bei 0,4–0,5 s.

VDI 2569 – die Richtlinie für Schallschutz und Raumakustik im Büro

Neben DIN 18041, die die Raumakustik in Aufenthaltsräumen allgemein regelt, ist für Büroumgebungen speziell die VDI-Richtlinie 2569 relevant. Sie wurde vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) herausgegeben und behandelt gezielt den Schallschutz und die Raumakustik in Büroräumen – von Einzelbüros über Mehrpersonenbüros bis zu Großraumbüros und Callcentern. Die Richtlinie unterscheidet zwischen unterschiedlichen Bürotypen und den jeweils sinnvollen akustischen Zielwerten, da die Anforderungen an ein konzentriertes Einzelbüro andere sind als an ein kommunikationsintensives Großraumbüro.

In der Praxis bedeutet das: Je offener und größer eine Bürofläche ist, desto wichtiger werden raumakustische Maßnahmen wie Akustikdecken, Trennwände mit angepassten Schalldämmwerten und gezielt platzierte Absorberflächen, um Nachhall und Störgeräusche zu reduzieren. Für Unternehmen, die Systemtrennwände oder Akustiklösungen planen, lohnt sich ein Blick auf VDI 2569 zusätzlich zu DIN 18041 – insbesondere bei Großraum- oder Kombibüros mit vielen gleichzeitig Telefonierenden. Wir berücksichtigen die Grundprinzipien beider Regelwerke bereits in der Planungsphase, etwa bei der Auswahl von Wandaufbauten, Deckensystemen und der Zonierung von Ruhe- und Kommunikationsbereichen.

Wie sich Büroakustik nach der Abnahme überhaupt prüfen lässt

In Leistungsverzeichnissen steht als akustisches Ziel fast immer ein einziger Wert: eine Nachhallzeit. Für einen geschlossenen Besprechungsraum ist das richtig und ausreichend. Für eine große offene Bürofläche ist es das nicht – und zwar aus einem physikalischen Grund, nicht aus Formalismus. Die Nachhallzeit setzt ein annähernd diffuses Schallfeld voraus, in dem der Schall aus allen Richtungen gleich stark eintrifft. Eine flache, weitläufige Fläche mit absorbierender Decke und harten Möbelkanten ist genau das nicht. Der Wert lässt sich dort zwar ermitteln, sagt aber wenig darüber aus, was Beschäftigte tatsächlich erleben: nicht Hall, sondern Nachbargespräche, die zu weit tragen.

Für offene Büroflächen gibt es deshalb ein eigenes Messverfahren, die DIN EN ISO 3382-3. Gemessen wird nicht an einem Punkt, sondern entlang einer Kette von Arbeitsplätzen, weg von einer künstlichen Sprachquelle. Vier Größen fallen dabei an – und diese vier beschreiben das, worüber im Betrieb tatsächlich geklagt wird:

GrößeWas sie beschreibtGünstig ist
D2,S – räumliche AbklingrateUm wie viele Dezibel der Sprachpegel sinkt, wenn sich der Abstand zur sprechenden Person verdoppeltein hoher Wert – Sprache verliert sich schnell
Lp,A,S,4m – Sprachpegel in 4 mWie laut eine normal sprechende Person vier Meter entfernt noch ankommtein niedriger Wert
rD – AblenkungsabstandAb welcher Entfernung Sprache so unverständlich wird, dass sie nicht mehr ablenkt (Sprachübertragungsindex STI unter 0,50)ein kurzer Abstand
rP – VertraulichkeitsabstandAb welcher Entfernung Sprache praktisch nicht mehr verstehbar ist (STI unter 0,20)ein kurzer Abstand

Der praktische Wert dieser Systematik liegt im Ablenkungsabstand. Er ist die einzige raumakustische Kennzahl, die man in einem Büro buchstäblich abschreiten kann: Er sagt, wie weit ein Gespräch trägt, bevor es zum blossen Hintergrundgeräusch wird. Wenn Beschäftigte berichten, sie hörten jedes Telefonat drei Plätze weiter, dann ist das keine Empfindlichkeit, sondern eine Aussage über rD – und sie ist überprüfbar.

Konkrete Zielwerte für diese Größen sind nicht Gegenstand des Messverfahrens, sondern werden je nach Bürotyp aus der einschlägigen Richtlinie abgeleitet und im Projekt vereinbart. Die Nachhallzeit nach DIN 18041 bleibt daneben gültig – für geschlossene Räume ist sie weiterhin die richtige Größe. Beide ersetzen einander nicht.

Was deshalb in die Ausschreibung gehört

  1. Für geschlossene Räume die Soll-Nachhallzeit, für offene Flächen zusätzlich die Größen nach DIN EN ISO 3382-3 – mindestens den Ablenkungsabstand.
  2. Den Zustand, in dem gemessen wird: möbliert und bezugsfertig. Eine Messung im leeren Rohzustand ist nicht vergleichbar.
  3. Wer misst und wer die Messung bezahlt – vor der Vergabe, nicht im Streitfall.
  4. Was gilt, wenn die Werte verfehlt werden: Nachbesserung an welcher Ebene, in welcher Frist.
  5. Die Trennung von Dämmung und Absorption: R'w für raumtrennende Bauteile, αw beziehungsweise Absorberklasse für Oberflächen. Beides in einem Satz zu fordern, führt regelmässig zu Angeboten, die das eine erfüllen und das andere nicht.

Welche dB-Werte für welchen Raum?

NutzungEmpfohlener RwBegründung
Open Space (Zonen-Trennung)35 dBSichttrennung, akustische Beruhigung
Zellenbüro Standard37 dBKonzentriertes Arbeiten
Meeting-Raum42 dBSprachverständlichkeit im Nachbarraum verhindern
Beratung / HR / Arzt44–47 dBVertraulichkeit gemäß DSGVO
Geschäftsführung / Board47–52 dBDiskretion, auch für laute Diskussionen

Für Arzt- und Zahnarztpraxen kommen zum Schalldämmwert weitere Anforderungen hinzu – wischdesinfizierbare Oberflächen, barrierefreie Durchgangsbreiten und die Rettungswegführung. Wie sich das in der Trennwandplanung zusammenbringen lässt, zeigt unser Ratgeber Trennwände in der Arztpraxis.

Trennwand-Systeme im Vergleich

Nicht jedes Wandsystem erreicht jeden Wert. Die typischen Bandbreiten:

  • Ganzglaswand einfach verglast: Rw 32–37 dB
  • Ganzglaswand doppelt verglast: Rw 42–47 dB
  • Systemtrennwand mit Vollpaneel: Rw 42–52 dB
  • Massive Trockenbauwand (mehrschalig): Rw 52–60 dB

Die Auswahl entscheidet über Kosten und Rückbaubarkeit. Details zu unseren Systemen finden Sie unter Systemtrennwände und Ganzglaswände. Für ein realistisches Bild der Kostenseite: Glastrennwand Kosten 2026.

Raumakustik & Nachhallzeit

Ein Meeting-Raum mit Rw 42 dB nützt nichts, wenn drinnen alles nachhallt und die Videokonferenz auf der Gegenseite unverständlich ankommt. Die Nachhallzeit sinkt mit der Menge und Qualität absorbierender Flächen – gemessen als äquivalente Absorptionsfläche A in m².

In Bestandsbüros sind es meist Decke und Wände, die als harte Flächen den Hall erzeugen. Deckensegel, Wandabsorber (Klasse A) und Teppichfliesen kombinieren sich in der Praxis am besten. Reine Möbel-Akustik (Akustik-Trennwände auf Tischen) hilft lokal, aber nicht raumweit.

Schallabsorber im Büro: Klassen, Flächen und Platzierung

Zwei Begriffe werden im Bürokontext beinahe täglich verwechselt, und die Verwechslung kostet regelmäßig Geld: Schalldämmung und Schallabsorption. Dämmen heißt, Schall am Übertritt in den Nachbarraum zu hindern – das leisten raumtrennende Bauteile, beschrieben über das bewertete Schalldämm-Maß Rw. Absorbieren heißt, Schallenergie im selben Raum aufzunehmen, damit sie nicht immer wieder von harten Oberflächen zurückgeworfen wird – das leisten Schallabsorber, beschrieben über den bewerteten Schallabsorptionsgrad αw.

Der praktische Unterschied: Ein Raum mit hervorragender Absorption kann trotzdem hellhörig zum Nachbarbüro sein. Und ein Raum mit hervorragend gedämmten Wänden kann innen unerträglich hallig sein. Wer über ein Lärmproblem klagt, sollte deshalb zuerst klären, welches der beiden Probleme vorliegt – die Maßnahmen haben nichts miteinander zu tun.

Absorberklassen nach DIN EN ISO 11654

Schallabsorber werden über den bewerteten Schallabsorptionsgrad αw in Klassen eingeteilt. Der Wert beschreibt, welcher Anteil der auftreffenden Schallenergie nicht zurückgeworfen wird:

AbsorberklasseBewerteter Schallabsorptionsgrad αwEinordnung für Büroflächen
A0,90–1,00erste Wahl für Decke und Sprachbereiche in offenen Flächen
B0,80–0,85gute Wirkung, häufig bei gestalteten Oberflächen
C0,60–0,75sinnvoll ergänzend, wenn reichlich Fläche zur Verfügung steht
D0,30–0,55spürbar nur bei sehr großen Flächen
E0,15–0,25akustisch kaum relevant

Wichtig für den Angebotsvergleich: Eine höhere Klasse ist nicht automatisch die bessere Wahl. Die Klasse sagt etwas über die Fläche aus, die Sie brauchen, nicht über die Qualität des Produkts. Ein Klasse-A-Absorber erreicht dieselbe Wirkung mit deutlich weniger Quadratmetern als ein Klasse-C-Produkt – was ihn in engen Räumen überlegen macht und auf großen Freiflächen unter Umständen unnötig teuer. Und: Fehlt die Klassenangabe vollständig, ist das Produkt akustisch nicht bewertbar, unabhängig davon, wie textil die Oberfläche wirkt.

Wo Absorber platziert werden – die Reihenfolge zählt

Die wirksamste Reihenfolge folgt der Größe der verfügbaren Fläche, nicht der Sichtbarkeit. An erster Stelle steht die Decke: Sie ist in fast jedem Büro die größte zusammenhängende, ungenutzte Fläche und wirkt raumweit statt platzbezogen. Unsere Erfahrungswerte weisen für Deckenabsorber der Klasse A eine Verkürzung der Nachhallzeit um 0,3 bis 0,6 Sekunden aus.

An zweiter Stelle stehen Wandflächen im direkten Sprachweg – also gegenüberliegende, parallele Wände, zwischen denen Schall hin- und herläuft. Der wirksame Frequenzbereich liegt hier zwischen 500 und 2.000 Hz, dem Bereich der Sprachverständlichkeit. Erst an dritter Stelle folgen möbel- und wandintegrierte Absorber: Stellwände, Raumteiler, Aufsatzelemente am Arbeitsplatz und bedruckte Akustikbilder. Sie wirken lokal und punktgenau, bringen aber pro Quadratmeter Fläche die geringste Gesamtwirkung – weil sie schlicht die kleinste Fläche mitbringen. Welcher Typ sich wofür eignet, steht in unserem Vergleich der Raumteiler fürs Büro; für das einzelne Aufsatzelement am Arbeitsplatz gibt es einen eigenen Leitfaden zur Schreibtisch-Trennwand.

Wie viel Absorberfläche ein Raum braucht

Auf diese Frage gibt es keine seriöse Pauschalantwort in Form eines Prozentsatzes. Die erforderliche Absorberfläche ergibt sich aus dem Raumvolumen, der Nutzungsart und der daraus abgeleiteten Soll-Nachhallzeit – die Systematik dafür liefert die DIN 18041, die weiter oben auf dieser Seite eingeordnet ist. Zwei Räume mit identischer Grundfläche können völlig unterschiedliche Anforderungen haben, wenn sich Raumhöhe, Bodenbelag oder Möblierungsgrad unterscheiden.

Praktisch heißt das: Für kleinere Flächen genügt in der Regel eine erfahrungsbasierte Auslegung, bei größeren oder akustisch problematischen Räumen lohnt die Berechnung. Und in beiden Fällen gilt: Eine Messung vor Ort im genutzten Zustand ist die einzige Grundlage, die den tatsächlichen Erfolg belegt. Was Absorber dagegen grundsätzlich nicht lösen, ist ein Vertraulichkeitsproblem – dafür braucht es dämmende Bauteile mit den Rw-Werten aus der Tabelle weiter oben auf dieser Seite.

Konkrete Maßnahmen für den Schallschutz Büro, sortiert nach Wirkung

  1. Deckenabsorber (Klasse A): −0,3 bis −0,6 s Nachhallzeit, wirkt raumweit.
  2. Systemtrennwände statt offener Zonen: −8 bis −15 dB(A) am Arbeitsplatz.
  3. Office-Pods für Calls: verhindern die Hauptlärmquelle, siehe Pod-Vergleich.
  4. Wandabsorber im Sichtfeld: gute Wirkung bei Sprachfrequenzen 500–2.000 Hz.
  5. Teppichboden statt Hartboden: −2 bis −4 dB(A) Trittschall.

Kostenübersicht

MaßnahmePreis abWirkung
Wandabsorber (Klasse A)90 €/m²Sprachverständlichkeit
Deckensegel140 €/m²Nachhall raumweit
Systemtrennwand Vollpaneel310 €/m²Rw 42–47 dB
Ganzglaswand doppelt520 €/m²Rw 42–47 dB, transparent
Office-Pod 1P6.900 €Rw 30–34 dB Kabine

Alle Preise sind Richtwerte für Deutschland inkl. Montage, ohne MwSt. Für Ihre konkrete Fläche rechnen wir gerne ein individuelles Akustik-Konzept als Teil Ihrer Objekteinrichtung durch – siehe auch Büroplanung-Checkliste.

Schallschutz Büro: was das Arbeitsstättenrecht tatsächlich verlangt

Wer nach Schallschutz Büro sucht, erwartet eine Zahl. Die Arbeitsstättenverordnung liefert sie nicht. Ihr Anhang Nummer 3.7 „Lärm" lautet im Wortlaut: „In Arbeitsstätten ist der Schalldruckpegel so niedrig zu halten, wie es nach der Art des Betriebes möglich ist. Der Schalldruckpegel am Arbeitsplatz in Arbeitsräumen ist in Abhängigkeit von der Nutzung und den zu verrichtenden Tätigkeiten so weit zu reduzieren, dass keine Beeinträchtigungen der Gesundheit der Beschäftigten entstehen." Kein Dezibelwert, keine Raumart, keine Frist. Genau das erklärt, warum verschiedene Anbieter verschiedene Zahlen nennen: Die Verordnung gibt keine vor.

Verbindlich werden die Zahlen erst über die Technische Regel ASR A3.7, und zwar über § 3a Absatz 1 ArbStättV. Dort heißt es: „Bei Einhaltung der bekannt gemachten Regeln ist davon auszugehen, dass die in dieser Verordnung gestellten Anforderungen diesbezüglich erfüllt sind." Und weiter: „Wendet der Arbeitgeber diese Regeln nicht an, so muss er durch andere Maßnahmen die gleiche Sicherheit und den gleichen Schutz der Gesundheit der Beschäftigten erreichen."

Praktisch heißt das: Die ASR A3.7 ist keine Pflicht — aber jede Abweichung ist begründungs- und nachweispflichtig. Wer die Regel einhält, ist auf der sicheren Seite; wer sie unterschreitet, trägt die Beweislast. Für die Planung ist das die wichtigere Information als jede einzelne Dezibelzahl.

Welches Regelwerk beim Schallschutz im Büro was regelt
RegelwerkGegenstandRechtscharakter
ArbStättV Anhang Nr. 3.7Schalldruckpegel am Arbeitsplatz — ohne ZahlenwertVerordnung, unmittelbar verbindlich
§ 3a Abs. 1 ArbStättVVermutungswirkung der bekannt gemachten RegelnVerordnung, unmittelbar verbindlich
ASR A3.7 „Lärm" (März 2021)Maximale Beurteilungspegel je TätigkeitskategorieTechnische Regel, Vermutungswirkung
DIN 4109Schalldämmung zwischen Räumen (R'w) am BauNorm, bauordnungsrechtlich eingeführt
DIN 18041Hörsamkeit und Nachhallzeit im RaumNorm, planerischer Stand der Technik
VDI 2569Schallschutz und akustische Gestaltung im BüroRichtlinie, Planungsempfehlung

Lärm schnell reduzieren: welche Lösungen im Büro am schnellsten wirken

Nicht jede Maßnahme wirkt gleich stark, und die teuerste wirkt selten am schnellsten. Die folgende Reihenfolge orientiert sich daran, wie viel Fläche eine Maßnahme akustisch wirksam macht — denn Schall reflektiert an harten Oberflächen, und die größten Oberflächen sind Decke und Wand. Wer Geräusche im Bestand spürbar reduzieren will, beginnt deshalb oben und arbeitet sich nach unten. Besonders in modernen Open-Space-Flächen mit Glas, Beton und Hartboden ist die Kombination aus Deckenabsorption und Zonierung wirksamer als jede Einzelmaßnahme. Wichtig ist die Unterscheidung: Absorption verbessert die Akustik im Raum und macht ihn angenehmer, Dämmung hält Schall zwischen Räumen zurück. Beides gleichzeitig zu wollen und dafür nur ein Bauteil einzusetzen, ist der häufigste Planungsfehler. Wer die Raumakustik dauerhaft verbessern will, misst nach der Umsetzung nach — die Nachhallzeit im möblierten Raum ist der einzige Wert, der die Wirkung belegt und der sich auch nachträglich noch verbessern lässt.

  1. Deckenabsorption: die größte zusammenhängende Fläche im Raum. Wirkt auf alle Arbeitsplätze gleichzeitig und ist im Bestand meist ohne Eingriff in die Struktur nachrüstbar.
  2. Zonierung durch Stellwände und Raum-in-Raum-Elemente: trennt Telefonate und Abstimmungen von konzentrierter Arbeit, statt den ganzen Raum gleich zu behandeln.
  3. Wandabsorber an den Reflexionsflächen gegenüber Sprecherpositionen: gezielt dort, wo Gespräche mehrfach zurückgeworfen werden.
  4. Bodenbelag und Möblierung: Teppich, Polster und geschlossene Schränke nehmen Trittschall und hochfrequente Geräusche auf.
  5. Türen und Deckenanschluss der Trennwände: der teuerste Fehler ist eine gute Wand mit einer undichten Tür — hier geht die Dämmwirkung verloren, die die Wand rechnerisch hätte.
  6. Verhaltensregeln und Zonenkennzeichnung: kostet nichts und wirkt sofort, wird aber regelmäßig übersprungen.

Häufige Fragen

Welcher dB-Wert ist für Bürotrennwände sinnvoll?

Für Standard-Zellenbüros reichen Rw 35–37 dB. Sobald Vertraulichkeit gefordert ist (HR, Geschäftsführung, Beratung), sollten es Rw 42–47 dB sein. Meeting-Räume mit Videokonferenzen brauchen mindestens 42 dB, damit angrenzende Arbeitsplätze nicht gestört werden.

Was ist der Unterschied zwischen Schallschutz und Raumakustik?

Schallschutz (DIN 4109) beschreibt die Dämmung zwischen zwei Räumen, gemessen in Rw (dB). Raumakustik (DIN 18041) beschreibt den Klang innerhalb eines Raums – vor allem die Nachhallzeit T. Beide Themen werden oft verwechselt, brauchen aber unterschiedliche Maßnahmen.

Wie laut ist ein typisches Großraumbüro?

Ohne akustische Behandlung liegen Großraumbüros regelmäßig bei 55–65 dB(A) – deutlich über den 45–55 dB(A), die für konzentrierte Arbeit empfohlen werden. Absorber, Pods und Zonierung reduzieren den Pegel um 3–8 dB(A).

Wie viel kostet Schallschutz nachträglich?

Wandabsorber ab 90 €/m², Deckensegel ab 140 €/m², Office-Pods ab 6.900 €. Eine akustische Grundoptimierung eines Großraumbüros liegt typischerweise bei 45–90 €/m² Bürofläche.

Muss ich Schallschutz messen lassen?

Bei Neubau/Umbau von Verwaltungsgebäuden schreibt die DIN 4109 Mindestwerte vor, die im Zweifel bauakustisch nachzuweisen sind. Für die Raumakustik nach DIN 18041 empfehlen wir eine Messung nach Fertigstellung – der Aufwand liegt bei 400–900 € pro Raum.

Was regelt die VDI 2569 im Unterschied zu DIN 18041?

DIN 18041 legt allgemeine Anforderungen an die Raumakustik in Aufenthaltsräumen fest, während die VDI 2569 speziell auf Büroräume zugeschnitten ist und je nach Bürotyp (Einzel-, Mehrpersonen-, Großraumbüro) unterschiedliche akustische Anforderungen berücksichtigt.

Was ist ein Schallabsorber?

Ein Bauteil oder Möbelelement, dessen Oberfläche auftreffende Schallenergie aufnimmt statt sie zurückzuwerfen. Es senkt damit Nachhall und Geräuschpegel innerhalb eines Raumes. Es dämmt jedoch nicht: Die Übertragung in den Nachbarraum wird von einem Absorber nicht verhindert – dafür ist ein raumtrennendes Bauteil mit bewertetem Schalldämm-Maß Rw zuständig.

Welche Absorberklasse braucht ein Büro?

Für Decken und für Wandflächen im Sprachweg offener Bereiche ist Klasse A nach DIN EN ISO 11654 (αw 0,90–1,00) die erste Wahl, weil sie mit der geringsten Fläche auskommt. Klasse B und C sind sinnvolle Ergänzungen, wenn ausreichend Fläche zur Verfügung steht oder gestalterische Gründe dagegen sprechen. Ab Klasse D ist die Wirkung nur noch bei sehr großen Flächen spürbar.

Wie viel Absorberfläche braucht ein Raum?

Das lässt sich nicht als fester Prozentsatz angeben. Maßgeblich sind Raumvolumen, Nutzungsart und die daraus abgeleitete Soll-Nachhallzeit nach DIN 18041 – zwei gleich große Räume können sehr unterschiedliche Anforderungen haben. Bei größeren oder akustisch auffälligen Räumen ist eine Berechnung sinnvoll, und den tatsächlichen Erfolg belegt am Ende nur eine Messung im genutzten Zustand.

Warum reicht die Nachhallzeit im Großraumbüro nicht als Abnahmekriterium?

Weil die Nachhallzeit ein annähernd diffuses Schallfeld voraussetzt, das eine flache, weitläufige Bürofläche mit absorbierender Decke nicht bildet. Der Wert ist dort zwar messbar, beschreibt aber nicht das eigentliche Problem – nämlich wie weit ein Gespräch trägt. Dafür gibt es mit der DIN EN ISO 3382-3 ein eigenes Verfahren, das entlang einer Arbeitsplatzkette misst.

Was ist der Ablenkungsabstand?

Der Ablenkungsabstand r_D ist die Entfernung von einer sprechenden Person, ab der ihre Sprache so unverständlich wird, dass sie nicht mehr ablenkt – definiert über einen Sprachübertragungsindex STI unter 0,50. Er ist die einzige raumakustische Kennzahl, die sich in einem Büro abschreiten lässt, und deshalb das praktikabelste Abnahmekriterium für offene Flächen.

Schreibt die Arbeitsstättenverordnung einen Dezibelwert für Büros vor?

Nein. Anhang Nummer 3.7 der ArbStättV verlangt nur, den Schalldruckpegel „so niedrig zu halten, wie es nach der Art des Betriebes möglich ist". Konkrete Beurteilungspegel stehen erst in der Technischen Regel ASR A3.7. Über § 3a Absatz 1 ArbStättV gilt: Wer die ASR einhält, erfüllt die Verordnung vermutungsweise; wer abweicht, muss die gleiche Schutzwirkung anders nachweisen.

Was hilft beim Schallschutz Büro schneller — Absorption oder Dämmung?

In den meisten Bestandsbüros ist Absorption der schnellere und günstigere Hebel, weil sie den Hall im Raum reduziert und ohne baulichen Eingriff nachrüstbar ist. Dämmung wird dann entscheidend, wenn die Störung aus dem Nachbarraum oder vom Flur kommt oder wenn Vertraulichkeit gefordert ist — dann führt kein Weg an Wand, Tür und Deckenanschluss vorbei.

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