Akustikpaneele im Büro: welche wirklich dämpfen – und welche nur so aussehen
Akustikpaneele fürs Büro bieten sichtbar viel und akustisch oft wenig. Dieser Ratgeber trennt Design von Wirkung: welche Geräusche sich überhaupt reduzieren lassen, wie viel Fläche eine angenehme Arbeitsumgebung braucht und was das Arbeitsstättenrecht dazu verlangt.
Dieser Ratgeber ordnet die gängigen Paneeltypen ein, erklärt die eine Kennzahl, auf die es ankommt, und beantwortet die Frage, wie viel Fläche ein Raum tatsächlich braucht. Geht es um das Akustikkonzept eines ganzen Raums statt um die Produktwahl, ist Schallschutz im Büro der richtige Einstieg; für die Decke – den wirksamsten Einzelhebel – siehe Akustikdecken im Büro.
Helfen graue Akustikpaneele aus Filz im Büro?
Ja, aber nicht wegen der Farbe und nicht allein wegen des Materials. Graue Akustikpaneele aus Filz im Büro wirken dann, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: genug Fläche, genug Dicke und die richtige Platzierung. Der Farbton hat auf die Absorption keinen Einfluss — grau, anthrazit oder beige unterscheiden sich akustisch nicht. Filz ist ein poröser Absorber und dämpft vor allem mittlere und hohe Frequenzen, also genau den Bereich, in dem Sprache stört. Tiefe Frequenzen erreicht er kaum.
Entscheidend ist die Dicke: Ein dünnes Filzpaneel direkt auf der Wand wirkt deutlich schwächer als dasselbe Paneel mit Wandabstand, weil der Luftspalt dahinter den wirksamen Frequenzbereich nach unten erweitert. Ebenso wichtig ist die Fläche — einzelne Paneele als Gestaltungselement verändern die Nachhallzeit eines Raums nicht messbar. Wer Ruhe will, rechnet zuerst die benötigte Absorberfläche aus und wählt danach das Material.
„Absorbieren“ und „dämmen“ sind zwei verschiedene Dinge
Ein Akustikpaneel absorbiert Schall im Raum, es dämmt ihn nicht zwischen Räumen. Absorption senkt die Nachhallzeit und den Störpegel im selben Raum – sie verhindert nicht, dass ein Gespräch nebenan mitgehört wird. Wer Vertraulichkeit braucht, braucht eine trennende Bauteilkonstruktion mit bewertetem Schalldämm-Maß Rw, kein Paneel; dafür sind Systemtrennwände und der Rw-Teil in Schallschutz im Büro die richtige Stelle.
Der Merksatz dazu ist unbequem, aber er erspart viele Fehlkäufe: Ein perfekt absorbierter Raum kann trotzdem hellhörig sein. Umgekehrt gilt genauso: Ein akustisch dichter Raum ohne Absorptionsflächen wird schnell zur Halle – jede Stimme steht im Raum, Videokonferenzen werden anstrengend, obwohl von außen nichts hereindringt. Beide Maßnahmen ersetzen einander nicht, sie beantworten unterschiedliche Fragen. Die eine lautet: Wie klingt es hier drin? Die andere: Was hört man draußen? Wer beide Fragen im selben Satz stellt, bekommt meist die falsche Lösung angeboten. Für die zweite Frage im Kontext ganzer Flächen hilft unsere Seite zur Büroschalldämmung weiter.
Die eine Kennzahl: der bewertete Schallabsorptionsgrad αw
DIN EN ISO 11654 fasst den frequenzabhängigen Absorptionsgrad eines Bauteils zu einem Einzahlwert αw zusammen und teilt ihn in die Klassen A bis E ein. Diese Klassenangabe ist der einzige belastbare Vergleichsmaßstab zwischen zwei Paneelen. Sie beruht auf einer Prüfung im Hallraum und beschreibt, welcher Anteil der auftreffenden Schallenergie nicht zurückgeworfen wird – 1,00 bedeutet vollständige Absorption, 0,00 vollständige Reflexion.
Fehlt diese Angabe im Datenblatt, ist das Produkt akustisch nicht bewertbar. Das ist keine Formalie, sondern die praktische Trennlinie zwischen einem Akustikprodukt und einer Dekoration mit akustisch klingendem Namen. Ein Hersteller, der eine Klasse erreicht, nennt sie – denn sie ist sein wichtigstes Verkaufsargument. Steht stattdessen nur eine Beschreibung der Oberfläche im Prospekt, ist das in aller Regel ein Hinweis und kein Zufall. Verlangen Sie deshalb nicht nur die Klasse, sondern den zugehörigen Prüfbericht mit dem geprüften Aufbau, inklusive Wandabstand und Hinterlegung: Beides verändert das Ergebnis erheblich.
| Klasse | αw | Einordnung fürs Büro |
|---|---|---|
| A | 0,90 – 1,00 | Höchste Wirkung. Sinnvoll dort, wo mit begrenzter Fläche viel erreicht werden muss – Deckensegel über Besprechungstischen, Absorber in Fokusräumen. |
| B | 0,80 – 0,85 | Sehr gute Wirkung, in der Praxis oft die wirtschaftlichste Wahl für großflächige Wand- und Deckenlösungen. |
| C | 0,60 – 0,75 | Merkbare Wirkung, aber deutlich mehr Fläche nötig für dasselbe Ergebnis. |
| D | 0,30 – 0,55 | Unterstützend. Als alleinige Maßnahme in Räumen mit Sprachkommunikation zu schwach. |
| E | 0,15 – 0,25 | Akustisch praktisch vernachlässigbar. Optische Maßnahme. |
Fünf Paneeltypen und was sie tatsächlich leisten
| Typ | Aufbau | Akustische Wirkung | Grenze |
|---|---|---|---|
| Holzlamellen-Paneel | Massiv- oder furnierte Lamellen auf Trägerplatte, dünner Filz oder Vlies dahinter | Wirkt vor allem im mittleren und hohen Frequenzbereich, stark abhängig von Lamellenabstand und Dicke der Rückschicht | Die Optik sagt nichts über die Klasse. Ohne αw-Angabe im Datenblatt nicht bewertbar – ein Teil der am Markt als „Akustikpaneel“ verkauften Lamellenplatten liegt im unteren Klassenbereich. |
| Filz- oder PET-Paneel | Gepresste Faserplatte, häufig aus recyceltem Polyester, 9–24 mm | Breitbandig im Sprachbereich, mit zunehmender Dicke und Wandabstand deutlich besser | Dünne Ausführungen direkt auf der Wand verlieren im tieferen Sprachbereich; der Abstand zur Wand ist oft wichtiger als das Material. |
| Schaumstoff-Absorber | Offenzelliger Akustikschaum, meist profiliert | Hohe Absorption im hohen Frequenzbereich | Brandverhalten und Reinigbarkeit sind im gewerblichen Büro die eigentliche Hürde, nicht die Akustik. Baustoffklasse zwingend prüfen. |
| Textil bespannter Rahmenabsorber | Mineralfaser- oder Melaminharzkern im Rahmen, akustisch offener Stoff | Regelmäßig die höchste Klassenlage der fünf Typen, weil die Kerndicke frei gewählt werden kann | Höherer Preis und größere Aufbautiefe. Der Stoff muss akustisch offen sein – ein dichtes Gewebe macht den Kern wirkungslos. |
| Perforierte Loch- oder Schlitzplatte | Holzwerkstoffplatte mit Lochung, Vlies und Dämmschicht dahinter | Über Lochbild und Hinterlegung gezielt auf Frequenzbereiche abstimmbar | Wirkt nur mit der vorgesehenen Hinterlegung. Wird die Dämmschicht bei der Montage weggelassen, bleibt eine gelochte Platte übrig. |
Der wichtigste Satz zu dieser Tabelle: Alle fünf Typen sind in guter und in wirkungsloser Ausführung erhältlich. Die Bauart entscheidet über den Aufwand, mit dem eine bestimmte Klasse erreicht wird – nicht über die Klasse selbst. Deshalb gehört in jede Ausschreibung die geforderte Absorberklasse, nicht der Produkttyp. Wer stattdessen ein Material vorschreibt, vergleicht am Ende Angebote, die dasselbe Wort verwenden und akustisch zwei verschiedene Dinge liefern.
Filz, PET oder Melaminharz – warum die Dicke mehr entscheidet als das Material
Die Materialfrage wird in dieser Produktkategorie am ausführlichsten diskutiert und entscheidet am wenigsten. Poröse Absorber — und das sind Filz-, PET- und Melaminharzpaneele alle — arbeiten nach demselben Prinzip: Luft bewegt sich durch ein offenporiges Gefüge, Reibung wandelt Schallenergie in Wärme um. Entscheidend ist deshalb nicht, woraus das Paneel besteht, sondern ob es dort sitzt, wo die Luft sich überhaupt bewegt. Bei Holzlamellen auf Vliesträger absorbiert nicht das Holz, sondern das Vlies zwischen den Lamellen — die Lamellen selbst reflektieren. Der offene Flächenanteil zwischen ihnen bestimmt deshalb mit, wie viel Fläche akustisch überhaupt zählt.
Direkt an der Wand bewegt sich keine Luft
An einer schallharten Wand ist die Schnelle der Luftteilchen null — die Welle wird reflektiert, unmittelbar davor steht die Luft praktisch still. Ihr Maximum erreicht die Bewegung erst in einem Abstand von einer Viertelwellenlänge. Und diese Wellenlänge ist frequenzabhängig:
| Frequenz | Viertelwellenlänge |
|---|---|
| 125 Hz | 69 cm |
| 250 Hz | 34 cm |
| 500 Hz | 17 cm |
| 1.000 Hz | 8,6 cm |
| 2.000 Hz | 4,3 cm |
| 4.000 Hz | 2,1 cm |
Ein 10 mm dünnes Paneel, flach auf die Wand geklebt, liegt bei allen für Sprache relevanten Frequenzen vollständig in der Zone, in der sich kaum Luft bewegt.
Was das für die Auswahl bedeutet
Als Faustformel beginnt ein poröser Absorber bei etwa einem Zehntel der Wellenlänge zu arbeiten. Rechnet man das für übliche Aufbauten durch — wobei die wirksame Tiefe die Summe aus Materialdicke und Wandabstand ist —, ergibt sich:
| Aufbau | Wirksame Tiefe | Arbeitet ab etwa |
|---|---|---|
| 10 mm Paneel, flach verklebt | 10 mm | 3.400 Hz |
| 25 mm Paneel, flach verklebt | 25 mm | 1.400 Hz |
| 10 mm Paneel auf 40 mm Lattung | 50 mm | 690 Hz |
| 50 mm Paneel, flach verklebt | 50 mm | 690 Hz |
| 25 mm Paneel auf 50 mm Lattung | 75 mm | 460 Hz |
Sprache trägt ihre Energie überwiegend zwischen 250 und 2.000 Hz. Ein flach verklebtes 10-mm-Paneel arbeitet erst oberhalb dieses Bereichs — es nimmt den Zischlauten die Schärfe und lässt den Körper der Sprache unberührt. Die beiden wirksamsten Stellschrauben kosten kein zusätzliches Material: mehr Dicke, oder derselbe Aufbau mit Abstand zur Wand. Ein 10-mm-Paneel auf einer 40-mm-Lattung erreicht rechnerisch denselben Arbeitsbereich wie ein fünfmal so dickes Paneel ohne Abstand.
Die Zahlen sind eine Überschlagsrechnung, keine Norm. Der tatsächliche Verlauf hängt zusätzlich vom längenbezogenen Strömungswiderstand des Materials ab: zu dicht, und die Luft kommt nicht hinein; zu offen, und es entsteht zu wenig Reibung. Belastbar ist allein der geprüfte Wert für den konkreten Aufbau einschließlich Montageart.
Und die Farbe?
Akustisch ist sie ohne Bedeutung. Ob ein Filzpaneel grau, anthrazit oder farbig ist, ändert nichts an der Absorption. Eine Rolle spielt allein, ob die Oberfläche offen bleibt: Eine geschlossene Lackierung oder ein deckender Druck kann die Poren teilweise verschließen und die Wirkung gerade bei den hohen Frequenzen verringern, in denen Sprachverständlichkeit entsteht. Wer bedruckte Absorber einsetzt, sollte deshalb den Prüfwert der bedruckten Ausführung erfragen — mehr dazu unter Akustikbilder.
Der häufigste Beschaffungsfehler
Akustikpaneele werden in der Praxis häufig nach Optik ausgewählt und erst nachträglich akustisch begründet. Der typische Ablauf sieht so aus: Im Entwurf wird eine Lamellenoptik gesetzt, weil sie zum Raumbild passt; die Fläche ergibt sich aus der Gestaltung, nicht aus einer Berechnung; ganz am Ende fragt jemand, wie viel das eigentlich bringt. Die Antwort lautet dann meistens: schwer zu sagen. Die Reihenfolge ist umgekehrt richtig – erst Soll-Nachhallzeit und Nutzung klären, daraus die nötige Absorptionsfläche ableiten, dann Produkt und Optik wählen. Gestaltung und Akustik schließen sich nicht aus, sie brauchen nur die richtige Reihenfolge.
Zwei weitere Punkte gehören dazu. Angaben wie „schallabsorbierend“ oder „akustisch wirksam“ ohne Klassenangabe sind keine Zusicherung, sondern eine Beschreibung – sie lassen sich weder prüfen noch einklagen. Und: Der Vergleich zweier Angebote ist ohne αw-Klasse rechnerisch nicht möglich. Man vergleicht dann Quadratmeterpreise für unterschiedliche Produkte und hält das günstigere für das bessere, obwohl es doppelt so viel Fläche für dasselbe Ergebnis bräuchte.
Wie viel Fläche ein Raum braucht
Auf diese Frage gibt es hier bewusst keine Prozent-Faustformel. Verbreitete Angaben wie „15 bis 25 Prozent der Wandfläche“ ignorieren Raumvolumen, Nutzungsart und die bereits vorhandene Absorption durch Möbel, Teppich und Vorhänge. Zwei Räume mit identischer Wandfläche können einen völlig unterschiedlichen Bedarf haben – der eine mit Teppich, Polstermöbeln und Aktenschränken, der andere mit Estrich, Glas und freien Wänden.
Die belastbare Größe ist die Soll-Nachhallzeit nach DIN 18041, abhängig von Raumvolumen und Nutzungsart. Aus ihr ergibt sich die erforderliche äquivalente Absorptionsfläche, und erst daraus die konkrete Paneelfläche – bei Klasse A etwa halb so viel wie bei Klasse C. Das ist keine aufwendige Rechnung, aber sie braucht die Raumdaten und lässt sich nicht durch eine Prozentzahl ersetzen.
Ein praktischer Hinweis dazu: In den meisten Büroräumen ist die Decke die größte zusammenhängende Reflexionsfläche und damit der wirksamste erste Schritt. Wandpaneele ergänzen sie, ersetzen sie aber selten. Wer mit begrenztem Budget plant, holt an der Decke in der Regel mehr heraus als an der Wand – die Auswahlkriterien stehen unter Akustikdecken im Büro, die Einordnung im Gesamtkonzept unter Büroschalldämmung. Eine Übersicht unserer Leistungen dazu finden Sie unter Akustiklösungen.
Platzierung: wo ein Paneel wirkt
- Decke zuerst – sie ist die größte freie Fläche im Raum und steht mit keiner Nutzung in Konflikt.
- Wandflächen im direkten Sprachweg zwischen Arbeitsplätzen – dort, wo Sprache reflektiert wird, nicht dort, wo zufällig Fläche übrig ist.
- Gegenüberliegende parallele Wände erzeugen Flatterechos. Eine der beiden Flächen vollständig zu belegen bringt mehr, als beide zur Hälfte zu bestücken.
- Rückwand hinter Bildschirmen und Besprechungstischen – dort entsteht die Reflexion, die Videokonferenzen unangenehm macht.
- Nicht hinter Schränke, Regale oder Pflanzenwände. Verdeckte Absorberfläche wirkt nicht und taucht trotzdem in der Rechnung auf.
- Möbelintegrierte Absorption ergänzend einsetzen – siehe Schreibtisch-Trennwand und Raumteiler fürs Büro.
Akustikpaneele Büro Decke: warum die Decke meist mehr bringt als die Wand
Die Decke ist in fast jedem Büro die größte zusammenhängende, ungenutzte Fläche – und sie liegt genau dort, wo die erste Schallreflexion zwischen zwei Arbeitsplätzen entsteht. Wandflächen sind dagegen durch Fenster, Schränke, Türen und Bildschirme unterbrochen; wer dort Akustikpaneele im Büro anbringt, kämpft um jeden Quadratmeter. Deckensegel haben zusätzlich einen physikalischen Vorteil: Sie hängen frei im Raum und absorbieren auf beiden Seiten, während ein direkt auf die Wand geklebtes Paneel nur eine wirksame Oberfläche bietet.
Umgekehrt gibt es Situationen, in denen die Wand die richtige Fläche ist. Gegen ein Flatterecho zwischen zwei parallelen, harten Wänden hilft eine Deckenmaßnahme wenig, weil der Reflexionsweg horizontal verläuft. Die Faustregel lautet daher: die Decke zuerst für den allgemeinen Nachhall, die Wand gezielt gegen Reflexionen zwischen gegenüberliegenden Flächen.
| Raumproblem | wirksamere Fläche | Begründung |
|---|---|---|
| Allgemein zu langer Nachhall | Decke | größte unverbaute Fläche, trifft die erste Reflexion |
| Flatterecho zwischen parallelen Wänden | Wand | unterbricht den horizontalen Reflexionsweg direkt |
| Sprache trägt zum Nachbararbeitsplatz | Decke und Stellwand | Direktschall und Reflexion getrennt behandeln |
| Besprechungsraum, schlechte Sprachverständlichkeit | Decke und Rückwand | die Rückwandreflexion kommt verzögert an |
| Hoher Raum mit harten Böden | Decke, ergänzt um Deckensegel | beidseitig wirksame Fläche ohne Wandverlust |
Was das Arbeitsstättenrecht verlangt – und was daraus für die Beschaffung folgt
Der rechtliche Anker ist knapp formuliert. Arbeitsstättenverordnung, Anhang Nummer 3.7 Lärm verlangt, dass der Schalldruckpegel in Arbeitsstätten so niedrig zu halten ist, wie es nach der Art des Betriebes möglich ist, und dass er in Abhängigkeit von der Nutzung und den zu verrichtenden Tätigkeiten so weit zu reduzieren ist, dass keine Beeinträchtigungen der Gesundheit der Beschäftigten entstehen. Eine Zahl steht dort nicht.
Konkret werden die Anforderungen erst über die Technischen Regeln für Arbeitsstätten, für Lärm ist das die ASR A3.7. Deren Gewicht ergibt sich aus § 3a ArbStättV – Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten: Bei Einhaltung der bekannt gemachten Regeln ist davon auszugehen, dass die Anforderungen der Verordnung erfüllt sind. Diese Vermutungswirkung ist der eigentliche Grund, warum die Regel in der Praxis zählt.
Für die Beschaffung folgt daraus zweierlei. Erstens ist die Auswahl von Akustikpaneelen fürs Büro keine reine Geschmacksfrage, sondern Teil der Gefährdungsbeurteilung. Zweitens genügt es nicht, irgendetwas Absorbierendes zu bestellen: Wer sich auf die Vermutungswirkung berufen will, muss die Regel einhalten, die für die Tätigkeit im Raum gilt. Das setzt voraus, dass die Nutzungsart des Raums vor der Produktauswahl feststeht – und nicht erst danach begründet wird. Die Einordnung im Leistungsbild finden Sie unter Akustiklösungen, die flächenbezogene Betrachtung unter Büroschalldämmung.
- Nutzungsart und Tätigkeit je Raum festlegen, bevor Produkte ausgewählt werden
- Bewerteten Schallabsorptionsgrad für die konkret angebotene Dicke schriftlich anfordern
- Benötigte Absorberfläche rechnen, nicht die Stückzahl schätzen
- Ergebnis in der Gefährdungsbeurteilung dokumentieren
- Nach der Montage gegenhören und, wo nötig, nachbelegen
Kosten: Größenordnungen und eine offene Lücke
| Lösung | Richtwert | Grundlage |
|---|---|---|
| Wandabsorber, montiert | ab ca. 90 €/m² | eigene Kostenübersicht, siehe Schallschutz im Büro |
| Deckensegel, montiert | ab ca. 140 €/m² | eigene Kostenübersicht, siehe Akustikdecken im Büro |
| Holzlamellen-Paneel, Material ohne Montage | ca. 25–60 €/m² | öffentlich einsehbare Handelspreise, Stand August 2026 – keine Angebotsgröße für ein Projekt |
Für die übrigen Paneeltypen geben wir hier bewusst keine Spanne an. Die Preise hängen so stark von Kerndicke, Bespannung, Rahmenausführung und Montagesituation ab, dass eine Zahl ohne Projektbezug mehr verwirrt als hilft. Das ist eine bewusste Lücke und kein Versehen: Eine Spanne, die von 60 bis 400 Euro reicht, ist keine Orientierung. Für eine belastbare Zahl zu Ihrer Fläche nehmen Sie bitte Kontakt auf.
Brandschutz und Fluchtwege nicht übersehen
Akustikpaneele sind bauordnungsrechtlich Wand- und Deckenbekleidungen. Maßgeblich ist ihr Brandverhalten nach DIN EN 13501-1; in Rettungswegen und je nach Gebäudeklasse gelten dabei strengere Anforderungen als in einem normalen Büroraum. Das ist kein Detail für die Montage, sondern eine Vorgabe aus dem Brandschutzkonzept des Gebäudes – die zulässige Baustoffklasse steht dort und nicht im Produktprospekt.
Welche Klasse im konkreten Fall gefordert ist, hängt von Gebäude, Nutzung und Landesbauordnung ab und ist immer im Einzelfall zu prüfen; dieser Text ersetzt keine fachliche Bewertung und keinen Rechtsrat. Die verwandten Anforderungen an klassifizierte Wände beschreibt unser Ratgeber zu Brandschutz bei Trennwänden.
Checkliste für die Ausschreibung
- Absorberklasse nach DIN EN ISO 11654 gefordert – nicht „schallabsorbierend“.
- αw-Wert samt Prüfbericht im Angebot verlangt.
- Soll-Nachhallzeit nach DIN 18041 für die Nutzungsart festgelegt.
- Deckenlösung geprüft, bevor Wandfläche belegt wird.
- Montageart und Wandabstand definiert – der Abstand ist Teil der akustischen Leistung.
- Baustoffklasse nach DIN EN 13501-1 gegen das Brandschutzkonzept geprüft.
- Reinigung und Austauschbarkeit geklärt, besonders bei textilen Oberflächen.
- Vertraulichkeitsanforderungen separat betrachtet – dafür braucht es eine trennende Konstruktion, kein Paneel.
Häufige Fragen
Sind Holzlamellen-Paneele echte Akustikpaneele?
Es kommt auf die Ausführung an. Entscheidend sind Lamellenabstand und die Dämmschicht dahinter, nicht die Optik. Ohne αw-Klasse im Datenblatt lässt sich die Wirkung nicht beurteilen.
Welche Absorberklasse sollte ich fürs Büro fordern?
Für Räume mit Sprachkommunikation ist Klasse A oder B der sinnvolle Zielbereich. Klasse C erfordert für dieselbe Wirkung deutlich mehr Fläche, D und E sind als alleinige Maßnahme zu schwach.
Wie viel Wandfläche muss ich mit Paneelen belegen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Maßgeblich sind Raumvolumen, Nutzungsart und die Soll-Nachhallzeit nach DIN 18041 – und wie viel Absorption durch Decke, Teppich und Möblierung bereits vorhanden ist.
Helfen Akustikpaneele gegen Gespräche aus dem Nachbarraum?
Nein. Paneele absorbieren Schall im Raum, sie dämmen ihn nicht zwischen Räumen. Für Vertraulichkeit braucht es eine trennende Konstruktion mit Rw-Wert.
Wirkt ein Paneel besser, wenn es mit Abstand zur Wand montiert wird?
In der Regel ja, besonders im tieferen Sprachbereich. Der Wandabstand ist Teil der akustischen Leistung und sollte in der Ausschreibung festgelegt sein.
Ersetzen Wandpaneele eine Akustikdecke?
Selten. Die Decke ist meist die größte zusammenhängende Reflexionsfläche im Raum; Wandpaneele ergänzen sie gezielt dort, wo Sprache reflektiert wird.
Ist Filz, PET oder Melaminharz besser für die Büroakustik?
Alle drei sind poröse Absorber und arbeiten nach demselben Prinzip. Der Unterschied zwischen ihnen ist deutlich kleiner als der Unterschied zwischen dünn und dick oder zwischen flach verklebt und mit Wandabstand montiert. Vergleichbar werden Produkte erst über den geprüften Absorptionswert für den konkreten Aufbau einschließlich der Montageart.
Helfen graue Akustikpaneele aus Filz im Büro wirklich?
Die Farbe ist akustisch bedeutungslos. Wirksam sind Dicke und belegte Fläche. Dünne Filzpaneele unter etwa zehn Millimetern reduzieren vor allem hohe Geräusche; der Sprachbereich, der im Großraumbüro stört, bleibt weitgehend unbehandelt. Entscheidend ist der bewertete Schallabsorptionsgrad der konkret angebotenen Dicke.
Akustikpaneele Büro Decke oder Wand – was ist besser?
Für zu langen Nachhall ist die Decke in der Regel wirksamer, weil sie die größte ununterbrochene Fläche bietet und die erste Reflexion zwischen zwei Arbeitsplätzen trifft. Gegen Flatterechos zwischen zwei parallelen harten Wänden hilft dagegen nur eine Wandmaßnahme.
Gibt es eine gesetzliche Vorgabe für Akustik im Büro?
Die Arbeitsstättenverordnung verlangt in Anhang Nummer 3.7, den Schalldruckpegel abhängig von Nutzung und Tätigkeit so weit zu reduzieren, dass keine Gesundheitsbeeinträchtigungen entstehen. Konkretisiert wird das durch die ASR A3.7; nach § 3a Absatz 1 gilt bei ihrer Einhaltung die Vermutungswirkung.
Helfen graue Akustikpaneele aus Filz im Büro?
Ja, sofern Fläche, Dicke und Platzierung stimmen. Die Farbe ist akustisch ohne Bedeutung. Filz dämpft als poröser Absorber vor allem mittlere und hohe Frequenzen und damit den Sprachbereich; tiefe Frequenzen erreicht er kaum. Ein Wandabstand hinter dem Paneel erweitert den wirksamen Frequenzbereich nach unten. Einzelne Paneele als Dekoration verändern die Nachhallzeit nicht messbar — maßgeblich ist die gesamte Absorberfläche im Verhältnis zum Raumvolumen.
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