Ratgeber · Planung

Trennwände im Großraumbüro: Zonierung, Schallschutz und Kosten

Das Großraumbüro hat ein Grundproblem: Es ist als Fläche effizient und als Arbeitsumgebung anspruchsvoll. Wer viele Arbeitsplätze auf einer offenen Ebene unterbringt, gewinnt Flexibilität und verliert zunächst Konzentration. Trennwände sind das Werkzeug, mit dem sich beides in Balance bringen lässt – aber nur, wenn sie einem Zonierungskonzept folgen und nicht nachträglich als Notlösung aufgestellt werden. Dieser Leitfaden zeigt, welche Trennwandtypen im Großraumbüro welche Aufgabe übernehmen, wie hoch sie sein müssen, was sie kosten und in welcher Reihenfolge Sie planen sollten.

Aktualisiert 9. August 20269 min LesezeitRedaktion Die Objekteinrichtung

Warum offene Flächen ohne Zonierung nicht funktionieren

Der entscheidende Störfaktor im Großraumbüro ist nicht die Lautstärke an sich, sondern die Verständlichkeit fremder Gespräche. Ein Telefonat am Nachbartisch bindet Aufmerksamkeit, weil das Gehirn Sprache automatisch mitverarbeitet – unabhängig davon, ob der Inhalt interessiert. Deshalb bringt eine reine Pegelsenkung wenig, wenn die Sprachverständlichkeit über die Fläche hoch bleibt. Wirksam ist die Kombination aus drei Dingen: die Ausbreitung von Schall unterbrechen, Reflexionen an Decke und Wänden absorbieren und laute von leisen Tätigkeiten räumlich trennen. Trennwände lösen den ersten und – je nach Oberfläche – einen Teil des zweiten Punktes. Den dritten löst die Planung, nicht das Produkt.

Der zweite Grund für Zonierung ist organisatorisch. In den meisten Unternehmen arbeiten auf derselben Fläche Rollen mit sehr unterschiedlichen Anforderungen: Vertrieb telefoniert fast durchgehend, Buchhaltung und Entwicklung brauchen längere ungestörte Blöcke, Projektteams wechseln mehrfach täglich zwischen Abstimmung und Einzelarbeit. Eine Fläche, die alle gleich behandelt, ist für jede dieser Gruppen der falsche Kompromiss. Die Zonierung bildet diese Unterschiede ab, bevor über konkrete Produkte entschieden wird.

Die vier Zonen – und welche Trennwand dazugehört

Bewährt hat sich eine Einteilung in vier Zonentypen. Sie ist kein Dogma, aber ein belastbarer Ausgangspunkt für die Grundrissarbeit.

ZoneTypische NutzungPassende TrennwandlösungEmpfohlene HöheSichtbezug
FokuszoneKonzentrierte Einzelarbeit, längere BlöckeRaumhohe Systemtrennwand oder Raum-in-Raum-Einheitraumhochgeschlossen oder Oberlicht
TeamzoneProjektarbeit, kurze Abstimmungen im TeamHalbhohe Stellwand oder Systemtrennwand mit Glasanteil1,60–2,00 mteiltransparent
KommunikationszoneSpontane Gespräche, Stehmeetings, KaffeepunktBewusst offen, allenfalls niedrige Raumteiler zur Markierung1,20–1,60 moffen
VertraulichkeitszonePersonalgespräche, Telefonate mit sensiblen InhaltenGeschlossene Systemtrennwand oder Akustikkabineraumhochgeschlossen

Die Höhenangaben sind Planungsrichtwerte aus der Praxis und keine Normvorgaben. Entscheidend ist die Relation: Eine Trennwand wirkt akustisch erst dann spürbar, wenn sie die direkte Sichtlinie zwischen zwei sitzenden Personen unterbricht. Alles darunter ist Sicht- und Ordnungsschutz, kein Schallschutz. Umgekehrt bringt eine raumhohe Wand nur dann ihre volle Wirkung, wenn auch der Anschluss an Decke und Boden dicht ausgeführt ist – Fugen und offene Deckenhohlräume sind die häufigste Ursache dafür, dass eine teure Wand hinter den Erwartungen bleibt.

Tischaufsatz, Stellwand, Systemtrennwand – was wofür taugt

LösungWirkungFlexibilitätTypischer Einsatz
Tischaufsatz-TrennwandSicht- und leichter Sprachschutz am Einzelplatzsehr hoch, ohne Eingriff in die FlächeBench-Arbeitsplätze, Callcenter-nahe Tätigkeiten
Freistehende StellwandZonenmarkierung, Unterbrechung von Sichtachsenhoch, tagesaktuell umstellbartemporäre Teams, Projektflächen
Mobile Trennwand auf SchieneFläche bei Bedarf teilen oder öffnenmittel, planbar veränderbarSchulungs- und Mehrzweckbereiche
Systemtrennwand raumhochEchte Raumbildung mit definiertem Schallschutzgering im Alltag, hoch über den LebenszyklusFokusräume, Besprechung, Vertraulichkeit
Akustikkabine / Raum-in-RaumAbgeschlossene Einheit ohne Baumaßnahmehoch, versetzbarTelefonate, Videocalls, Zweiergespräche

In der Praxis kommt fast nie eine einzelne Lösung zum Einsatz, sondern eine Staffelung. Ein typisches Großraumbüro kombiniert Tischaufsätze am Bench, zwei bis vier Akustikkabinen für Telefonate und Videocalls sowie raumhohe Systemtrennwände für die Besprechungs- und Vertraulichkeitszonen. Details zu den Kabinen finden Sie in unserem Office-Pod-Vergleich und zu versetzbaren Lösungen im Ratgeber mobile Trennwände.

Schallschutz: was Sie realistisch erwarten dürfen

Für raumhohe Systemtrennwände geben wir auf unseren Leistungsseiten Schalldämm-Maße bis Rw 47 dB an; Glaswände erreichen je nach Aufbau ebenfalls Werte bis Rw 47 dB. Diese Laborwerte beschreiben das Bauteil, nicht den fertigen Raum. In der gebauten Situation entscheiden Anschlüsse, Türen, Lüftungsöffnungen und Deckenhohlräume darüber, wie viel davon ankommt. Planen Sie deshalb nie ausschließlich über den Bauteilwert, sondern lassen Sie die Anschlussdetails mitbewerten.

Halbhohe Stellwände und Tischaufsätze lassen sich nicht sinnvoll über ein Schalldämm-Maß beschreiben, weil sie den Raum nicht schließen. Ihr Beitrag liegt darin, den direkten Schallweg zwischen zwei Arbeitsplätzen zu unterbrechen und – bei absorbierender Oberfläche – Reflexionen zu schlucken. Für die Bewertung der Gesamtfläche ist in Deutschland die VDI 2569 die einschlägige Richtlinie für Schallschutz und akustische Gestaltung im Büro; für die Raumakustik allgemein die DIN 18041. Beide sind Planungsgrundlagen für Fachplaner und ersetzen keine Messung vor Ort. Wie sich Decke und Wandflächen ergänzen, behandeln wir im Ratgeber Schallschutz im Büro und in der Übersicht Akustikdecken im Büro.

Was kostet die Zonierung eines Großraumbüros?

Die Kosten hängen weniger an der Quadratmeterzahl der Fläche als an der Anzahl der gebildeten Räume. Jede geschlossene Zone bringt Türen, Anschlüsse und gegebenenfalls Elektro- und Lüftungsführung mit sich – das sind die eigentlichen Kostentreiber. Als Orientierung dienen die Richtwerte von unseren Preisseiten:

PositionRichtwertGrundlage
Systemtrennwand, geschlossenab 189 €/m²/systemtrennwaende-kosten
Systemtrennwand mit Glasanteil350–890 €/m²/systemtrennwaende-kosten
Ganzglas-Trennwandab 350 €/m²/glaswaende
Akustikkabine für 1 Personab ca. 5.900 € pro Einheit/akustikkabinen-preise

Rechnen Sie für die Planung lieber pro Arbeitsplatz als pro Quadratmeter. Ein belastbarer Ansatz: Legen Sie zuerst fest, wie viele Fokusplätze, wie viele Telefon-/Videocall-Plätze und wie viele geschlossene Besprechungsplätze die Fläche braucht. Erst daraus ergibt sich, wie viele Meter Wand und wie viele Kabinen tatsächlich nötig sind. Der häufigste Planungsfehler ist die umgekehrte Reihenfolge – erst Wände einzeichnen, dann feststellen, dass zu wenige Rückzugsorte entstanden sind. Die vollständigen Kostenstrukturen finden Sie unter Systemtrennwände Kosten und Akustikkabinen Preise.

Ein zweiter wirtschaftlicher Punkt betrifft Mietflächen: Systemtrennwände sind rückbaubar und behalten einen Restwert, fest verbauter Trockenbau nicht. Bei befristeten Mietverträgen verschiebt das die Rechnung erheblich – wir haben das im Ratgeber Trennwände in Mietflächen an einem Beispiel durchgerechnet.

Planungsreihenfolge – acht Schritte

  1. Tätigkeiten erfassen: Wer telefoniert wie viel, wer braucht ungestörte Blöcke, wer arbeitet im Team?
  2. Zonen festlegen, bevor über Produkte gesprochen wird – Fokus, Team, Kommunikation, Vertraulichkeit.
  3. Laute und leise Zonen räumlich trennen, nicht nebeneinanderlegen.
  4. Wege- und Fluchtwegführung prüfen; jede neue Wand verändert Verkehrsflächen.
  5. Bedarf an geschlossenen Einheiten beziffern (Fokusräume, Telefonkabinen, Besprechung).
  6. Trennwandtypen zuordnen und Höhen festlegen.
  7. Anschlussdetails an Decke, Boden und Fassade klären – hier entscheidet sich der reale Schallschutz.
  8. Brandschutz und Elektroplanung einbeziehen, bevor bestellt wird.

Die Punkte 4 und 8 werden regelmäßig zu spät bearbeitet. Rettungswegbreiten und Brandschutzanforderungen ergeben sich aus der jeweiligen Landesbauordnung und den dort eingeführten technischen Regeln und sind mit der zuständigen Stelle abzustimmen – eine nachträgliche Änderung der Grundrisse ist deutlich teurer als eine frühzeitige Abstimmung. Grundlagen dazu im Ratgeber Brandschutz bei Trennwänden und in der Büroplanungs-Checkliste.

Häufige Fehler

  • Trennwände erst aufstellen, wenn die Beschwerden da sind – dann ist die Fläche bereits belegt und jede Änderung teuer.
  • Nur auf Sichtschutz optimieren: Eine blickdichte Wand ohne absorbierende Oberfläche verbessert die Akustik kaum.
  • Zu wenige geschlossene Rückzugsorte: Zwei Telefonkabinen auf 60 Arbeitsplätze sind dauerhaft belegt und werden nicht genutzt, sondern gemieden.
  • Deckenanschluss offen lassen: Der Schall läuft über den Hohlraum, die Wand wirkt nicht.
  • Flexibilität mit Provisorium verwechseln: Freistehende Stellwände, die nie wieder bewegt werden, hätten von Anfang an raumhoch geplant werden können.

Grundlagen zum modularen Wandsystem selbst finden Sie auf unserer Seite zu Systemtrennwänden.

Häufige Fragen

Welche Trennwand eignet sich für ein Großraumbüro?

Das hängt weniger vom Produkt ab als von der Zone. Für die Konzentrationszone braucht es eine raumhohe, dichte Trennwand mit geschlossenem Decken- und Bodenanschluss – alles darunter reduziert die Sichtverbindung, aber kaum den Sprachpegel. Für die Zonierung offener Flächen genügen Stellwände in Sitz- oder Stehhöhe, weil dort die Sichtbarriere die eigentliche Wirkung ist. Tischaufsätze wirken nur auf dem eigenen Arbeitsplatz und ersetzen keine Raumtrennung. Die Reihenfolge in der Planung lautet deshalb: erst festlegen, welche Tätigkeit in welcher Zone stattfindet, dann die Bauart wählen.

Wie hoch muss eine Trennwand im Großraumbüro sein?

Als Planungsrichtwert gilt: Die Wand sollte mindestens die direkte Sichtlinie zwischen zwei sitzenden Personen unterbrechen, das entspricht in der Praxis etwa 1,60 m. Für echte Vertraulichkeit und definierten Schallschutz führt an einer raumhohen Ausführung mit dichtem Decken- und Bodenanschluss kein Weg vorbei. Niedrigere Elemente wirken vor allem als Sicht- und Zonierungshilfe.

Reichen Tischtrennwände aus, um ein Großraumbüro zu beruhigen?

Allein in der Regel nicht. Tischaufsätze reduzieren den direkten Schallweg zwischen benachbarten Arbeitsplätzen und helfen bei Bench-Anordnungen spürbar, lösen aber weder Telefonate noch spontane Gespräche im Raum. Sie sind ein Baustein in einer Kombination aus Zonierung, absorbierenden Flächen und geschlossenen Rückzugsorten.

Wie viele Telefon- oder Fokuskabinen braucht eine Fläche?

Das lässt sich nicht pauschal beziffern, weil es vom Telefonie- und Videocall-Anteil abhängt. Verlässlicher als eine Faustzahl ist eine kurze Erhebung: Wie viele Gespräche laufen gleichzeitig zur Spitzenzeit? Diese Zahl ist die Untergrenze. Kabinen, die dauerhaft belegt sind, werden erfahrungsgemäß nicht mehr angesteuert.

Was kostet die Zonierung pro Arbeitsplatz?

Eine belastbare Zahl entsteht erst aus dem Zonenkonzept, weil die Kosten an der Anzahl geschlossener Räume hängen, nicht an der Fläche. Als Bausteine gelten die Richtwerte unserer Preisseiten: geschlossene Systemtrennwand ab 189 €/m², mit Glasanteil 350–890 €/m², Ganzglas ab 350 €/m², Akustikkabine für eine Person ab rund 5.900 €.

Lassen sich Trennwände im Großraumbüro später versetzen?

Bei Systemtrennwänden ja: Sie sind auf Demontage und Wiederaufbau ausgelegt und behalten dadurch einen Restwert. Fest verbauter Trockenbau muss beim Umbau abgebrochen und entsorgt werden. Bei befristeten Mietverträgen ist das der wirtschaftlich entscheidende Unterschied.

Trennwand oder Akustikkabine – was zuerst?

Wenn das Hauptproblem Telefonate und Videocalls sind, bringen Kabinen schneller Wirkung, weil sie ohne Eingriff in die Fläche aufgestellt werden können. Geht es um dauerhafte Raumbildung, Vertraulichkeit oder Besprechungsräume, ist die Systemtrennwand die richtige Antwort. Häufig ist die Reihenfolge: erst Kabinen für den akuten Bedarf, dann die geplante Zonierung.

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