Ratgeber · Planung

Open Space Büro: Flächen, Akustik und wann das Konzept trägt

Die Diskussion über Open Space wird fast immer als Geschmacksfrage geführt: offen und kommunikativ gegen ruhig und konzentriert. Arbeitsstättenrechtlich ist sie das nicht. Sobald mehrere Arbeitsplätze auf einer Fläche liegen, gelten zwei Größen, die man ausrechnen kann statt sie abzustimmen – die Grundfläche je Arbeitsplatz und die Nachhallzeit. Dieser Beitrag ordnet die Büroformen gegeneinander ein, nennt die Zahlen aus ASR A1.2 und ASR A3.7 und beschreibt, woran ein Open Space in der Praxis scheitert.

Aktualisiert 9. August 20269 min LesezeitRedaktion Die Objekteinrichtung

Open Space, Großraumbüro, Kombibüro, Zellenbüro – was die Begriffe trennen

Die Begriffe werden im Projektalltag austauschbar benutzt, obwohl sie unterschiedliche Konzepte beschreiben. Die Unterschiede liegen nicht in der Quadratmeterzahl, sondern in der Belegung, in der Erschließung und in der Frage, ob die Fläche nach Tätigkeiten gegliedert ist. Wer die Begriffe sauber trennt, erkennt früh, welche Anforderungen später auf die Planung zukommen.

Büroformtypische Belegungkennzeichnendwo sie kippt
Zellenbüro1–2 Personen je abgeschlossenem RaumFlur als Erschließung, Tür zuam Flächenverbrauch und an der Auslastung
Gruppen- oder Mehrpersonenbüroetwa 3 bis 10 Personenein Raum, mehrere Teams oder ein Teamwenn ungleiche Tätigkeitsprofile im selben Raum sitzen
Großraumbüroviele Arbeitsplätze auf einer Flächereihenförmige Belegung, keine Zonierungan der Akustik
Open Spaceviele Arbeitsplätze auf einer Flächenach Tätigkeiten zoniert, Rückzugsorte als fester Bestandteilwenn die Rückzugsorte fehlen
KombibüroEinzelräume plus gemeinsame Mittelzonekleine geschlossene Räume an der Fassadean der Fläche

Der Unterschied zwischen Großraumbüro und Open Space ist keine Größe, sondern die Frage, ob es einen Ort gibt, an den man gehen kann. Ein Open Space ohne Rückzugsflächen ist ein Großraumbüro mit einem neueren Namen. Das ist keine Wortklauberei, sondern der Punkt, an dem die meisten Projekte entschieden werden: Die Rückzugsorte stehen im Grundriss am Ende der Leistungsliste und sind damit das Erste, was gestrichen wird, wenn das Budget knapp wird.

Die Fläche: was die ASR A1.2 vorgibt – und warum Open Space mehr braucht, nicht weniger

SituationGrundfläche
Arbeitsraum mit einem Arbeitsplatz (Mindestwert)mindestens 8 m²
je weiterem Arbeitsplatz im selben Raummindestens 6 m² zusätzlich
Büro-/Bildschirmarbeitsplatz im Einzelbüro (Empfehlung)8 bis 10 m² je Arbeitsplatz
Großraumbüro (Empfehlung)12 bis 15 m² je Arbeitsplatz

Die Werte schließen Möblierung und anteilige Verkehrsfläche im Raum ein.

Der häufigste wirtschaftliche Grund für ein Open Space ist Flächenersparnis. Die Logik des Regelwerks geht in die Gegenrichtung: Für die offene Fläche wird mehr Grundfläche je Arbeitsplatz angesetzt, nicht weniger – wegen des höheren Verkehrsflächenbedarfs und der größeren Störungen durch Sicht und Geräusch.

Rechenbeispiel: 60 Arbeitsplätze, gerechnet mit 8 m², ergeben 480 m². Dieselben 60 Arbeitsplätze, gerechnet mit 12 bis 15 m², ergeben 720 bis 900 m². Die Differenz liegt zwischen 240 und 420 m² – bei üblichen Bürokaltmieten ist das die größte Einzelabweichung, die eine Flächenplanung enthalten kann.

Dazu gehört eine Einschränkung, ausdrücklich und nicht kleingedruckt: Die 12 bis 15 m² sind eine Empfehlung der ASR A1.2, kein Mindestwert wie die 8 plus 6 m². Ein Unterschreiten ist nicht automatisch unzulässig. Es verschiebt aber die Begründungslast auf den Arbeitgeber und macht die Anforderungen an die Akustik härter, weil weniger Abstand zwischen den Arbeitsplätzen bleibt.

Eine Desk-Sharing-Quote verändert die Rechnung, weil sie die Zahl der Arbeitsplätze von der Zahl der Beschäftigten entkoppelt – sie ersetzt aber nicht den Flächenkennwert je Arbeitsplatz, sondern wirkt davor. Wie sich beides in eine Projektreihenfolge bringen lässt, zeigt die Büroplanung Checkliste.

Die Akustik: 0,6 Sekunden – und warum das noch nichts beweist

RaumsituationNachhallzeit (unbesetzter Raum)
Ein- und Zweipersonenbüro0,8 s
Mehrpersonen- und Großraumbüro0,6 s
Callcenter0,5 s

Die Werte der ASR A3.7: Lärm im Büro gelten für den unbesetzten Raum. Wer im belegten Büro misst, misst Menschen, Jacken, Stühle und Papier mit und bekommt einen zu guten Wert. Fehlt im Leistungsverzeichnis die Festlegung, in welchem Zustand gemessen wird, ist die Anforderung praktisch nicht durchsetzbar.

Ein Open Space kann die Nachhallzeit einhalten und trotzdem unbrauchbar sein. Die Nachhallzeit beschreibt, wie schnell Schall im Raum abklingt. Sie sagt nichts darüber, wie weit Sprache zwischen zwei Arbeitsplätzen trägt – und genau das ist die Größe, die im Open Space über die empfundene Störung entscheidet. Dafür gibt es die DIN EN ISO 3382-3 mit zwei Kennwerten: dem Ablenkungsabstand (die Entfernung, ab der Sprache nicht mehr stört; über 10 m gilt als schlecht, 5 m oder weniger als gut) und der räumlichen Abnahme des Sprachpegels (unter 5 dB je Abstandsverdopplung schlecht, 7 dB oder mehr gut).

Der Ablenkungsabstand lässt sich nur mit absorbierenden Flächen und Sichtbarrieren verkürzen, nicht mit einer der beiden allein. Eine Akustikdecke senkt die Nachhallzeit zuverlässig, verkürzt den Ablenkungsabstand aber nur wenig, solange der direkte Schallweg zwischen den Arbeitsplätzen offen bleibt. Das ist der Grund, warum Flächen mit hervorragender Deckenakustik trotzdem als laut empfunden werden.

Welche Maßnahmen auf einer offenen Fläche zusammenwirken müssen und in welcher Reihenfolge sie sinnvoll sind, ist im Überblick zur Büroschalldämmung beschrieben.

Fünf Gründe, warum ein Open Space in der Praxis scheitert

  1. Die Rückzugsorte wurden gestrichen. Sie stehen im Grundriss am Ende der Leistungsliste und sind das Erste, was bei knappem Budget entfällt. Damit entfällt genau das Merkmal, das ein Open Space von einem Großraumbüro unterscheidet.
  2. Tätigkeitsprofile wurden nicht getrennt. Telefonintensive und konzentrationsintensive Arbeit nebeneinander ist die häufigste Ursache für Beschwerden – und sie lässt sich nachträglich nur noch mit Möbeln lösen, nicht mehr mit dem Grundriss.
  3. Die Akustik wurde als Deckenthema behandelt. Die Decke senkt die Nachhallzeit. Den Ablenkungsabstand verkürzt sie kaum. Ohne raumteilende Elemente in ausreichender Höhe bleibt der direkte Schallweg zwischen den Plätzen offen.
  4. Die Verkehrswege laufen durch die Konzentrationszone. Der störendste Reiz auf einer offenen Fläche ist Bewegung im Blickfeld, nicht Lautstärke. Eine Erschließung, die an konzentriert genutzten Plätzen vorbeiführt, lässt sich später nur noch mit Möbeln abmildern.
  5. Die Nutzungsregeln fehlen. Open Space ist die einzige Büroform, die eine ausdrückliche Vereinbarung darüber braucht, was auf der Fläche stattfindet – Telefonieren, spontane Besprechungen, Musik, Belegung der Kabinen. Ohne diese Vereinbarung entscheidet die durchsetzungsfähigste Person im Raum.

Für die beiden häufigsten baulichen Antworten auf diese Punkte gibt es eigene Beiträge: zur geschlossenen Einzelkabine die Telefonbox fürs Büro und zur Zonierung der offenen Fläche der Beitrag Trennwand Großraumbüro.

Wann das Zellenbüro die richtige Antwort ist

Bei überwiegend vertraulicher Arbeit – Personal, Recht, Medizin, Steuerberatung – oder bei durchgehend telefonintensiver Tätigkeit ist die geschlossene Bauform nicht rückständig, sondern die passende. Ein Raum mit Tür löst das Vertraulichkeitsproblem vollständig; jede offene Lösung löst es nur teilweise.

Das Zellenbüro verliert deshalb selten an der Akustik. Es verliert an der Auslastung: Ein Raum, der an drei von fünf Tagen leer steht, ist teurer als eine offene Fläche mit Buchungssystem. Die Entscheidung zwischen offen und geschlossen ist damit eine Auslastungsfrage und keine Stilfrage – und sie lässt sich rechnen, sobald Anwesenheitsquote und Anteil vertraulicher Tätigkeit bekannt sind. Wer sie stattdessen als Kulturfrage führt, bekommt eine Fläche, die zum Leitbild passt und nicht zur Arbeit.

Was in der Anfrage stehen muss

  1. Anzahl Arbeitsplätze und der angesetzte Flächenkennwert – mit der Angabe, ob mit 8 bis 10 oder mit 12 bis 15 m² gerechnet wurde
  2. Desk-Sharing-Quote und ob sie in die Flächenrechnung eingeflossen ist
  3. Anteil telefon- und videocallintensiver Arbeitsplätze
  4. geforderte Nachhallzeit und in welchem Zustand gemessen wird (unbesetzt oder besetzt)
  5. ob zusätzlich zur Nachhallzeit ein Zielwert für Ablenkungsabstand oder räumliche Pegelabnahme vereinbart wird
  6. Anzahl und Art der Rückzugsorte, bezogen auf die Zahl der Arbeitsplätze
  7. Lage der Verkehrswege gegenüber den Konzentrationszonen
  8. wer die Nutzungsregeln festlegt und zu welchem Zeitpunkt

Häufige Fragen

Wie viel Fläche braucht ein Arbeitsplatz im Open Space?

Mindestwert nach ASR A1.2: 8 m² für den ersten Arbeitsplatz, je weiterem mindestens 6 m² zusätzlich. Als Empfehlung nennt die ASR A1.2 für Bildschirmarbeitsplätze im Einzelbüro 8 bis 10 m² und für Großraumbüros 12 bis 15 m² je Arbeitsplatz, einschließlich Möblierung und anteiliger Verkehrsfläche. Die 12 bis 15 m² sind eine Empfehlung, kein Mindestwert.

Was ist der Unterschied zwischen Open Space und Großraumbüro?

Nicht die Größe. Ein Großraumbüro ist eine offene Fläche mit reihenförmiger Belegung; ein Open Space ist nach Tätigkeiten zoniert und enthält Rückzugsorte als festen Bestandteil. Fehlen die Rückzugsorte, ist es ein Großraumbüro.

Welche Nachhallzeit gilt im Open Space?

Die ASR A3.7 nennt für Mehrpersonen- und Großraumbüros 0,6 Sekunden, für Ein- und Zweipersonenbüros 0,8 Sekunden und für Callcenter 0,5 Sekunden – jeweils im unbesetzten Raum. Der Messzustand gehört ins Leistungsverzeichnis, sonst ist der Wert nicht durchsetzbar.

Ist ein Open Space günstiger als Zellenbüros?

Nicht automatisch. Die Flächenempfehlung je Arbeitsplatz liegt im Großraum höher, nicht niedriger. Wirtschaftlich wird das Konzept erst über die Auslastung: Wenn Desk-Sharing die Zahl der benötigten Arbeitsplätze senkt, sinkt die Gesamtfläche – nicht dadurch, dass jeder Platz kleiner wird.

Wie viele Rückzugsorte braucht ein Open Space?

Dafür gibt es keine normative Vorgabe. Verlässlicher als eine Faustzahl ist eine kurze Erhebung: Wie viele vertrauliche Gespräche und Telefonate laufen zur Spitzenzeit gleichzeitig? Diese Zahl ist die Untergrenze. Rückzugsorte, die dauerhaft belegt sind, werden nach kurzer Zeit nicht mehr angesteuert.

Was ist ein Kombibüro?

Eine Mischform aus kleinen geschlossenen Räumen an der Fassade und einer gemeinsam genutzten Mittelzone. Sie löst das Vertraulichkeitsproblem, verbraucht aber deutlich mehr Fläche als eine rein offene Lösung – der Grund, warum sie in Bestandsflächen selten umsetzbar ist.

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