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Open Space Büro: Definition, Grundriss und was in der Praxis funktioniert

Open Space Büro – Definition, Bedeutung und Abgrenzung zum Großraumbüro sind in der Praxis unscharf, und genau daran scheitern viele Projekte. Dieser Ratgeber klärt die Begriffe, zeigt die Grundrisstypen, rechnet Fläche nach ASR A1.2 und Nachhallzeit nach ASR A3.7 durch und beschreibt, woran ein Open Space im Alltag scheitert.

Aktualisiert 30. August 202612 min LesezeitRedaktion Die Objekteinrichtung

Open Space Büro Definition: was der Begriff bedeutet

Open Space Büro bezeichnet eine offene Bürofläche, die nicht in Einzelräume unterteilt ist, sondern in Zonen für unterschiedliche Tätigkeiten gegliedert wird – Arbeitsplätze, Besprechung, Rückzug, Austausch. Damit unterscheidet es sich vom klassischen Großraumbüro, das dieselbe Offenheit hat, aber keine Zonierung: dort stehen gleichartige Arbeitsplätze in Reihen. Die Bedeutung des Begriffs liegt also nicht in der Abwesenheit von Wänden, sondern in der bewussten Zuordnung von Flächen zu Tätigkeiten. Ein Open Space Office im angelsächsischen Sprachgebrauch meint dasselbe. Wer nach Open Space Büro Bedeutung sucht, findet im Markt häufig beide Konzepte vermischt – die Unterscheidung ist aber planungsrelevant, weil aus ihr die Anzahl der Rückzugsorte folgt. Das Bürokonzept Open Space steht und fällt mit diesen Rückzugsorten; ohne sie entsteht genau das Großraumbüro, das man vermeiden wollte.

BürokonzeptDefinitionZonierungRückzugsorte
Open Space Bürooffene Fläche, nach Tätigkeiten gegliedertja, konstitutivfester Bestandteil
Großraumbürooffene Fläche mit gleichartigen Arbeitsplätzenneinoptional
KombibüroEinzelräume plus gemeinsame Mittelzoneteilweiseder Einzelraum selbst
Zellenbüroabgeschlossene Räume für 1–4 Personenentfälltder Raum selbst

Open Space, Großraumbüro, Kombibüro, Zellenbüro – was die Begriffe trennen

Die Begriffe werden im Projektalltag austauschbar benutzt, obwohl sie unterschiedliche Konzepte beschreiben. Die Unterschiede liegen nicht in der Quadratmeterzahl, sondern in der Belegung, in der Erschließung und in der Frage, ob die Fläche nach Tätigkeiten gegliedert ist. Wer die Begriffe sauber trennt, erkennt früh, welche Anforderungen später auf die Planung zukommen.

Büroformtypische Belegungkennzeichnendwo sie kippt
Zellenbüro1–2 Personen je abgeschlossenem RaumFlur als Erschließung, Tür zuam Flächenverbrauch und an der Auslastung
Gruppen- oder Mehrpersonenbüroetwa 3 bis 10 Personenein Raum, mehrere Teams oder ein Teamwenn ungleiche Tätigkeitsprofile im selben Raum sitzen
Großraumbüroviele Arbeitsplätze auf einer Flächereihenförmige Belegung, keine Zonierungan der Akustik
Open Spaceviele Arbeitsplätze auf einer Flächenach Tätigkeiten zoniert, Rückzugsorte als fester Bestandteilwenn die Rückzugsorte fehlen
KombibüroEinzelräume plus gemeinsame Mittelzonekleine geschlossene Räume an der Fassadean der Fläche

Der Unterschied zwischen Großraumbüro und Open Space ist keine Größe, sondern die Frage, ob es einen Ort gibt, an den man gehen kann. Ein Open Space ohne Rückzugsflächen ist ein Großraumbüro mit einem neueren Namen. Das ist keine Wortklauberei, sondern der Punkt, an dem die meisten Projekte entschieden werden: Die Rückzugsorte stehen im Grundriss am Ende der Leistungsliste und sind damit das Erste, was gestrichen wird, wenn das Budget knapp wird.

Open Space Büro Grundriss: Gebäudetiefe, Tageslicht und Achsmaß

Der Grundriss entscheidet vor jeder Möbelauswahl, und er ist die am häufigsten übersprungene Stufe. Maßgeblich ist die Gebäudetiefe, weil sie bestimmt, wie weit Tageslicht in die Fläche reicht. Als Planungsfaustregel gilt: Tageslicht wird bis etwa zur zwei- bis zweieinhalbfachen Höhe des Fenstersturzes über dem Boden nutzbar. Bei einem Sturz auf 3,00 m sind das grob 6 bis 7,50 m Raumtiefe je Fassade – eine zweiseitig belichtete Fläche trägt also rund 12 bis 15 m Gebäudetiefe, bevor eine dauerhaft künstlich belichtete Mittelzone entsteht. Genau diese Mittelzone ist im Open Space der richtige Ort für Technik, Rückzugskabinen, Teeküche und Lager – und der falsche für Dauerarbeitsplätze. Daraus ergeben sich drei Grundrisstypen, die in der Praxis funktionieren.

GrundrissGebäudetiefeWo die Arbeitsplätze liegenWo die Mittelzone liegt
Einbund, einseitig belichtetbis ca. 7,5 mdurchgehend an der Fassadeentfällt
Zweibund, zweiseitig belichtetca. 12–15 man beiden FassadenKern: Technik, Kabinen, Küche
Großraum mit Kernüber 15 mFassadenringinnen liegender Kern ohne Arbeitsplätze
  • Die Tageslicht-Faustregel ist ein Planungsrichtwert, keine Norm – maßgeblich ist die Tageslichtberechnung nach DIN EN 17037.
  • Achsmaß der Fassade prüfen: Es bestimmt, wo Trennwände und Kabinen überhaupt anschließen können.
  • Die Mittelzone ist der einzige Ort, an dem Rückzugskabinen ohne Tageslichtverlust stehen können.
  • Verkehrswege gehören vor die Möblierung geplant, nicht danach.

ASR A1.2 „Raumabmessungen und Bewegungsflächen“ (BAuA)

Die Fläche: was die ASR A1.2 vorgibt – und warum Open Space mehr braucht, nicht weniger

SituationGrundfläche
Arbeitsraum mit einem Arbeitsplatz (Mindestwert)mindestens 8 m²
je weiterem Arbeitsplatz im selben Raummindestens 6 m² zusätzlich
Büro-/Bildschirmarbeitsplatz im Einzelbüro (Empfehlung)8 bis 10 m² je Arbeitsplatz
Großraumbüro (Empfehlung)12 bis 15 m² je Arbeitsplatz

Die Werte schließen Möblierung und anteilige Verkehrsfläche im Raum ein.

Der häufigste wirtschaftliche Grund für ein Open Space ist Flächenersparnis. Die Logik des Regelwerks geht in die Gegenrichtung: Für die offene Fläche wird mehr Grundfläche je Arbeitsplatz angesetzt, nicht weniger – wegen des höheren Verkehrsflächenbedarfs und der größeren Störungen durch Sicht und Geräusch.

Rechenbeispiel: 60 Arbeitsplätze, gerechnet mit 8 m², ergeben 480 m². Dieselben 60 Arbeitsplätze, gerechnet mit 12 bis 15 m², ergeben 720 bis 900 m². Die Differenz liegt zwischen 240 und 420 m² – bei üblichen Bürokaltmieten ist das die größte Einzelabweichung, die eine Flächenplanung enthalten kann.

Dazu gehört eine Einschränkung, ausdrücklich und nicht kleingedruckt: Die 12 bis 15 m² sind eine Empfehlung der ASR A1.2, kein Mindestwert wie die 8 plus 6 m². Ein Unterschreiten ist nicht automatisch unzulässig. Es verschiebt aber die Begründungslast auf den Arbeitgeber und macht die Anforderungen an die Akustik härter, weil weniger Abstand zwischen den Arbeitsplätzen bleibt.

Eine Desk-Sharing-Quote verändert die Rechnung, weil sie die Zahl der Arbeitsplätze von der Zahl der Beschäftigten entkoppelt – sie ersetzt aber nicht den Flächenkennwert je Arbeitsplatz, sondern wirkt davor. Wie sich beides in eine Projektreihenfolge bringen lässt, zeigt die Büroplanung Checkliste.

Zonen, Regeln und was Mitarbeitende von der Fläche erwarten

Ein Open Space Office lebt davon, dass verschiedenen Tätigkeiten verschiedene Bereiche zugeordnet sind – und dass alle wissen, welche Regel wo gilt. Das ist der Teil, der in der Planung regelmäßig zu kurz kommt: Die moderne Arbeitsumgebung wird baulich sauber gegliedert, aber niemand legt fest, wo Kommunikation erwünscht ist und wo nicht. Bewährt hat sich eine einfache Dreiteilung. In der Fokuszone gilt Ruhe, Telefonate finden dort nicht statt. In der Teamzone ist Absprache ausdrücklich erwünscht, dort sollten auch die kurzen Rückfragen stattfinden, die sonst quer durch den Raum gerufen werden. Die dritte Zone ist der geschlossene Rückzugsort für Telefonate und vertrauliche Gespräche. Wichtig ist, dass jede dieser Zonen von jedem Arbeitsplatz aus in wenigen Schritten erreichbar ist – eine Fokuszone am anderen Ende der Etage wird nicht genutzt. Ebenso wichtig ist eine flexible Belegung: Wer keinen festen Platz hat, muss die optimale Zone für die jeweilige Aufgabe frei wählen können, und dafür braucht es mehr Rückzugsmöglichkeiten als Arbeitsplätze vermuten lassen. Mitarbeiter finden sich in einer so gegliederten Fläche deutlich besser zurecht als in einer, die nur offen ist. Für den geschlossenen Rückzugsort ist die Telefonbox fürs Büro die gebräuchlichste Bauform.

ZoneTätigkeitRegelAkustische Anforderung
Fokuszonekonzentriertes EinzelarbeitenRuhe, keine Telefonatehohe Absorption, Sichtschutz
TeamzoneAbsprache, gemeinsames ArbeitenKommunikation erwünschtAbsorption, Abstand zur Fokuszone
RückzugsortTelefonat, vertrauliches Gesprächgeschlossen, buchbargeprüfte Kabine
Begegnungsflächeinformeller Austausch, Pauselaut erlaubträumlich abgesetzt

Die Akustik: 0,6 Sekunden – und warum das noch nichts beweist

RaumsituationNachhallzeit (unbesetzter Raum)
Ein- und Zweipersonenbüro0,8 s
Mehrpersonen- und Großraumbüro0,6 s
Callcenter0,5 s

Die Werte der ASR A3.7: Lärm im Büro gelten für den unbesetzten Raum. Wer im belegten Büro misst, misst Menschen, Jacken, Stühle und Papier mit und bekommt einen zu guten Wert. Fehlt im Leistungsverzeichnis die Festlegung, in welchem Zustand gemessen wird, ist die Anforderung praktisch nicht durchsetzbar.

Ein Open Space kann die Nachhallzeit einhalten und trotzdem unbrauchbar sein. Die Nachhallzeit beschreibt, wie schnell Schall im Raum abklingt. Sie sagt nichts darüber, wie weit Sprache zwischen zwei Arbeitsplätzen trägt – und genau das ist die Größe, die im Open Space über die empfundene Störung entscheidet. Dafür gibt es die DIN EN ISO 3382-3 mit zwei Kennwerten: dem Ablenkungsabstand (die Entfernung, ab der Sprache nicht mehr stört; über 10 m gilt als schlecht, 5 m oder weniger als gut) und der räumlichen Abnahme des Sprachpegels (unter 5 dB je Abstandsverdopplung schlecht, 7 dB oder mehr gut).

Der Ablenkungsabstand lässt sich nur mit absorbierenden Flächen und Sichtbarrieren verkürzen, nicht mit einer der beiden allein. Eine Akustikdecke senkt die Nachhallzeit zuverlässig, verkürzt den Ablenkungsabstand aber nur wenig, solange der direkte Schallweg zwischen den Arbeitsplätzen offen bleibt. Das ist der Grund, warum Flächen mit hervorragender Deckenakustik trotzdem als laut empfunden werden.

Welche Maßnahmen auf einer offenen Fläche zusammenwirken müssen und in welcher Reihenfolge sie sinnvoll sind, ist im Überblick zur Büroschalldämmung beschrieben.

ASR A3.7 „Lärm“ – Technische Regeln für Arbeitsstätten (BAuA)

Fünf Gründe, warum ein Open Space in der Praxis scheitert

  1. Die Rückzugsorte wurden gestrichen. Sie stehen im Grundriss am Ende der Leistungsliste und sind das Erste, was bei knappem Budget entfällt. Damit entfällt genau das Merkmal, das ein Open Space von einem Großraumbüro unterscheidet.
  2. Tätigkeitsprofile wurden nicht getrennt. Telefonintensive und konzentrationsintensive Arbeit nebeneinander ist die häufigste Ursache für Beschwerden – und sie lässt sich nachträglich nur noch mit Möbeln lösen, nicht mehr mit dem Grundriss.
  3. Die Akustik wurde als Deckenthema behandelt. Die Decke senkt die Nachhallzeit. Den Ablenkungsabstand verkürzt sie kaum. Ohne raumteilende Elemente in ausreichender Höhe bleibt der direkte Schallweg zwischen den Plätzen offen.
  4. Die Verkehrswege laufen durch die Konzentrationszone. Der störendste Reiz auf einer offenen Fläche ist Bewegung im Blickfeld, nicht Lautstärke. Eine Erschließung, die an konzentriert genutzten Plätzen vorbeiführt, lässt sich später nur noch mit Möbeln abmildern.
  5. Die Nutzungsregeln fehlen. Open Space ist die einzige Büroform, die eine ausdrückliche Vereinbarung darüber braucht, was auf der Fläche stattfindet – Telefonieren, spontane Besprechungen, Musik, Belegung der Kabinen. Ohne diese Vereinbarung entscheidet die durchsetzungsfähigste Person im Raum.

Für die beiden häufigsten baulichen Antworten auf diese Punkte gibt es eigene Beiträge: zur geschlossenen Einzelkabine die Telefonbox fürs Büro und zur Zonierung der offenen Fläche der Beitrag Trennwand Großraumbüro.

Wann das Zellenbüro die richtige Antwort ist

Bei überwiegend vertraulicher Arbeit – Personal, Recht, Medizin, Steuerberatung – oder bei durchgehend telefonintensiver Tätigkeit ist die geschlossene Bauform nicht rückständig, sondern die passende. Ein Raum mit Tür löst das Vertraulichkeitsproblem vollständig; jede offene Lösung löst es nur teilweise.

Das Zellenbüro verliert deshalb selten an der Akustik. Es verliert an der Auslastung: Ein Raum, der an drei von fünf Tagen leer steht, ist teurer als eine offene Fläche mit Buchungssystem. Die Entscheidung zwischen offen und geschlossen ist damit eine Auslastungsfrage und keine Stilfrage – und sie lässt sich rechnen, sobald Anwesenheitsquote und Anteil vertraulicher Tätigkeit bekannt sind. Wer sie stattdessen als Kulturfrage führt, bekommt eine Fläche, die zum Leitbild passt und nicht zur Arbeit.

Was in der Anfrage stehen muss

  1. Anzahl Arbeitsplätze und der angesetzte Flächenkennwert – mit der Angabe, ob mit 8 bis 10 oder mit 12 bis 15 m² gerechnet wurde
  2. Desk-Sharing-Quote und ob sie in die Flächenrechnung eingeflossen ist
  3. Anteil telefon- und videocallintensiver Arbeitsplätze
  4. geforderte Nachhallzeit und in welchem Zustand gemessen wird (unbesetzt oder besetzt)
  5. ob zusätzlich zur Nachhallzeit ein Zielwert für Ablenkungsabstand oder räumliche Pegelabnahme vereinbart wird
  6. Anzahl und Art der Rückzugsorte, bezogen auf die Zahl der Arbeitsplätze
  7. Lage der Verkehrswege gegenüber den Konzentrationszonen
  8. wer die Nutzungsregeln festlegt und zu welchem Zeitpunkt

Open Space Bürokonzept: was zwingend dazugehört

Ein Open Space Bürokonzept ist mehr als ein Grundriss ohne Wände. Es besteht aus vier Bestandteilen, und fehlt einer davon, entsteht in der Praxis wieder ein Großraumbüro: die Zonierung nach Tätigkeiten, die geschlossenen Rückzugsorte, die akustische Ausstattung der verbleibenden Fläche und die verbindliche Nutzungsregel. Die ersten drei kosten Geld, die vierte kostet eine Entscheidung – und sie ist erfahrungsgemäß die, die am häufigsten ausbleibt.

Das Open Space Bürokonzept unterscheidet sich damit von einem reinen Flächenkonzept: Es legt nicht nur fest, wo Arbeitsplätze stehen, sondern welche Tätigkeit an welchem Ort stattfindet und welche Möglichkeit Beschäftigte haben, den Ort zu wechseln, wenn sich die Tätigkeit ändert. Diese Wechselmöglichkeit ist der Kern. Sie zu schaffen ist billiger als jede nachträgliche Akustikmaßnahme, weil sie im Grundriss entsteht und nicht am Material hängt. Welche Trennelemente die Zonen im Einzelnen bilden, zeigt die Übersicht der Raumteiler fürs Büro.

Für die Prüfung eines vorliegenden Konzepts genügen vier Fragen. Werden alle vier mit Ja beantwortet, trägt das Konzept auch dann noch, wenn im Verlauf Budget gestrichen wird.

Open Space Bürokonzept: die vier Bestandteile und woran sie in Projekten scheitern
BestandteilWas er leistetWoran er typischerweise scheitert
Zonierung nach Tätigkeitenordnet laute und leise Arbeit räumlichwird nach Abteilungen statt nach Tätigkeiten geschnitten
Geschlossene Rückzugsortenehmen Telefonate aus der FlächeAnzahl wird geschätzt statt erhoben
Akustische Ausstattungsenkt Nachhall und Ablenkungsabstandwird auf die Decke reduziert
Verbindliche Nutzungsregellegt fest, was wo erlaubt istwird gar nicht getroffen
  • Ist jeder Tätigkeit eine Zone zugeordnet?
  • Ist jede Zone von jedem Arbeitsplatz aus in wenigen Schritten erreichbar?
  • Ist die Zahl der Rückzugsorte aus gleichzeitigen Telefonaten hergeleitet statt geschätzt?
  • Steht fest, wer die Nutzungsregeln festlegt und ab wann sie gelten?

Quelle: ASR A1.2 „Raumabmessungen und Bewegungsflächen" (BAuA)

Vor- und Nachteile im Büro: Open Space gegen Zellenbüro, gerechnet statt gefühlt

Die Frage, ob im Büro Open Space oder das Zellenbüro die richtige Antwort ist, wird meist als Kulturfrage geführt und ist eine Rechenaufgabe. Drei Größen entscheiden: der Anteil vertraulicher oder telefonintensiver Tätigkeit, die Anwesenheitsquote und der Flächenkennwert je Arbeitsplatz. Sind diese drei bekannt, ist die Entscheidung in einer Stunde begründbar.

Die Vorteile der offenen Fläche liegen in der Auslastung und in der Anpassbarkeit: Eine offene Fläche mit Buchungssystem trägt bei einer Anwesenheitsquote von 60 Prozent deutlich mehr Beschäftigte je Quadratmeter als ein Bestand aus Einzelräumen, und sie lässt sich ohne Bauantrag umlegen. Die Nachteile liegen in der Akustik und in der Vertraulichkeit; beide sind mit Aufwand beherrschbar, aber nicht kostenlos. Das Zellenbüro dreht das um: Es löst Vertraulichkeit vollständig, verliert aber an der Auslastung, sobald Räume regelmäßig leer stehen. Wo die Trennung dauerhaft, aber versetzbar sein soll, sind Systemtrennwände für das Büro die übliche Bauform.

Wichtig für die Bewertung: Die häufig genannte Flächenersparnis ist kein Vorteil des Konzepts selbst. Nach ASR A1.2 wird für die offene Fläche mehr Grundfläche je Arbeitsplatz empfohlen, nicht weniger. Wirtschaftlich wird die offene Fläche erst über die geringere Zahl benötigter Arbeitsplätze – also über Desk-Sharing, nicht über kleinere Plätze.

Büro: Open Space und Zellenbüro im direkten Vergleich
KriteriumOpen SpaceZellenbüro
Vertraulichkeitnur über geschlossene Rückzugsortevollständig gelöst
Auslastunghoch, mit Buchungssystemsinkt mit jedem leeren Raum
Fläche je Arbeitsplatz12–15 m² empfohlen (ASR A1.2)8–10 m² empfohlen
Umbaubarkeithoch, ohne Baumaßnahmegering
Akustischer Aufwandhoch, mehrstufiggering
Voraussetzung für WirtschaftlichkeitDesk-Sharinghohe Anwesenheitsquote
  • Anteil vertraulicher oder telefonintensiver Tätigkeit erheben.
  • Anwesenheitsquote über vier Wochen messen, nicht schätzen.
  • Flächenkennwert je Arbeitsplatz festlegen und die Annahme dokumentieren.
  • Beide Varianten mit denselben Mietkosten je Quadratmeter durchrechnen.

Quelle: ASR A3.7 „Lärm" – amtlicher Volltext (BGN)

Raum in Raum System Büro: der Rückzugsort in der offenen Fläche

Ein Raum in Raum System im Büro ist die gebräuchlichste bauliche Antwort auf die Schwäche der offenen Fläche. Gemeint ist eine freistehende, selbsttragende Einheit mit eigenen Wänden, eigener Decke, Tür, Lüftung und Beleuchtung, die auf die bestehende Fläche gestellt wird, ohne an Rohbau oder Haustechnik anzuschließen. Sie schafft damit genau das, was ein Open Space ohne Rückzugsmöglichkeit nicht bietet: einen geschlossenen Ort für Telefonate, Videocalls und vertrauliche Gespräche.

Der Unterschied zur raumhohen Trennwand liegt in der Reversibilität. Ein Raum in Raum System bleibt Inventar, keine bauliche Anlage: Es lässt sich versetzen, beim Umzug mitnehmen und in Mietflächen ohne Rückbauverpflichtung aufstellen. Der Preis dafür ist die Schalldämmung – geprüfte Kabinen erreichen typische Werte um Dn,e,w 30 dB, eine raumhohe Systemtrennwand mit dichtem Anschluss deutlich mehr. Für ein Telefonat genügt das erste, für ein Personalgespräch in der Regel nicht.

Für die Auslegung gilt dieselbe Regel wie bei den Rückzugsorten insgesamt: Die Anzahl folgt aus der Zahl gleichzeitiger Telefonate zur Spitzenzeit, nicht aus einer Faustzahl je Arbeitsplatz. Die Bauformen, Schalldämmwerte und Preisspannen sind im eigenen Beitrag zum Raum in Raum System: Bauformen, Schalldämmung und Preise ausführlich beschrieben.

Rückzugsorte im Büro: Bauform, Schalldämmung und Eignung
BauformTypische SchalldämmungGeeignet fürRückbaubar
Telefonkabine, 1 PersonDn,e,w ≈ 30 dBTelefonat, kurzer Videocallja
Raum in Raum System, 4–6 PersonenDn,e,w ≈ 30 dBBesprechung, Videokonferenzja
Raumhohe SystemtrennwandRw 42 dB und mehrvertrauliches Gespräch, Einzelbüromit Aufwand
Massive WandRw 50 dB und mehrPersonal- und Arztgesprächnein
  • Gleichzeitige Telefonate zur Spitzenzeit zählen – diese Zahl ist die Untergrenze.
  • Standort in der Mittelzone wählen, nicht an der Fassade.
  • Geprüften Schalldämmwert Dn,e,w verlangen, keine Herstellerbeschreibung.
  • Lüftung und Nachlaufzeit prüfen – sie entscheiden über die tatsächliche Nutzung.

Häufige Fragen

Was gehört zu einem Open Space Bürokonzept zwingend dazu?

Vier Bestandteile: die Zonierung nach Tätigkeiten, geschlossene Rückzugsorte, die akustische Ausstattung der Fläche und eine verbindliche Nutzungsregel. Fehlt einer davon, entsteht faktisch ein Großraumbüro. Die Nutzungsregel kostet kein Geld und bleibt trotzdem am häufigsten aus.

Was spricht im Büro für Open Space und was für das Zellenbüro?

Für die offene Fläche sprechen Auslastung und Anpassbarkeit, für das Zellenbüro Vertraulichkeit und geringer akustischer Aufwand. Die Entscheidung lässt sich rechnen, sobald Anwesenheitsquote, Anteil vertraulicher Tätigkeit und Flächenkennwert bekannt sind – sie ist keine Stilfrage.

Was ist ein Raum in Raum System im Büro?

Eine freistehende, selbsttragende Einheit mit eigenen Wänden, Decke, Tür, Lüftung und Beleuchtung, die ohne Anschluss an Rohbau oder Haustechnik auf die Fläche gestellt wird. Sie bleibt Inventar statt bauliche Anlage, ist versetzbar und erreicht typische Schalldämmwerte um Dn,e,w 30 dB.

Wie viel Fläche braucht ein Arbeitsplatz im Open Space?

Mindestwert nach ASR A1.2: 8 m² für den ersten Arbeitsplatz, je weiterem mindestens 6 m² zusätzlich. Als Empfehlung nennt die ASR A1.2 für Bildschirmarbeitsplätze im Einzelbüro 8 bis 10 m² und für Großraumbüros 12 bis 15 m² je Arbeitsplatz, einschließlich Möblierung und anteiliger Verkehrsfläche. Die 12 bis 15 m² sind eine Empfehlung, kein Mindestwert.

Was ist der Unterschied zwischen Open Space und Großraumbüro?

Nicht die Größe. Ein Großraumbüro ist eine offene Fläche mit reihenförmiger Belegung; ein Open Space ist nach Tätigkeiten zoniert und enthält Rückzugsorte als festen Bestandteil. Fehlen die Rückzugsorte, ist es ein Großraumbüro.

Welche Nachhallzeit gilt im Open Space?

Die ASR A3.7 nennt für Mehrpersonen- und Großraumbüros 0,6 Sekunden, für Ein- und Zweipersonenbüros 0,8 Sekunden und für Callcenter 0,5 Sekunden – jeweils im unbesetzten Raum. Der Messzustand gehört ins Leistungsverzeichnis, sonst ist der Wert nicht durchsetzbar.

Ist ein Open Space günstiger als Zellenbüros?

Nicht automatisch. Die Flächenempfehlung je Arbeitsplatz liegt im Großraum höher, nicht niedriger. Wirtschaftlich wird das Konzept erst über die Auslastung: Wenn Desk-Sharing die Zahl der benötigten Arbeitsplätze senkt, sinkt die Gesamtfläche – nicht dadurch, dass jeder Platz kleiner wird.

Wie viele Rückzugsorte braucht ein Open Space?

Dafür gibt es keine normative Vorgabe. Verlässlicher als eine Faustzahl ist eine kurze Erhebung: Wie viele vertrauliche Gespräche und Telefonate laufen zur Spitzenzeit gleichzeitig? Diese Zahl ist die Untergrenze. Rückzugsorte, die dauerhaft belegt sind, werden nach kurzer Zeit nicht mehr angesteuert.

Was ist ein Kombibüro?

Eine Mischform aus kleinen geschlossenen Räumen an der Fassade und einer gemeinsam genutzten Mittelzone. Sie löst das Vertraulichkeitsproblem, verbraucht aber deutlich mehr Fläche als eine rein offene Lösung – der Grund, warum sie in Bestandsflächen selten umsetzbar ist.

Open Space Büro Definition – was heißt das genau?

Eine offene Bürofläche, die nicht in Einzelräume unterteilt, sondern in Zonen für unterschiedliche Tätigkeiten gegliedert ist: Arbeitsplätze, Besprechung, Rückzug, Austausch. Die Zonierung ist das definierende Merkmal, nicht die Abwesenheit von Wänden.

Open Space Büro Bedeutung – worin liegt der Unterschied zum Großraumbüro?

Das Großraumbüro ist ebenfalls offen, ordnet die Fläche aber nicht nach Tätigkeiten: gleichartige Arbeitsplätze in Reihen, ohne feste Rückzugsorte. Das Open Space Office weist jeder Tätigkeit eine eigene Zone zu. Die Unterscheidung ist planungsrelevant, weil aus ihr die Anzahl der Rückzugsorte folgt.

Wie tief darf ein Open Space Büro Grundriss sein?

Als Planungsfaustregel reicht nutzbares Tageslicht bis etwa zur zwei- bis zweieinhalbfachen Sturzhöhe. Bei 3,00 m Sturz sind das rund 6 bis 7,50 m je Fassade, bei zweiseitiger Belichtung also etwa 12 bis 15 m Gebäudetiefe. Darüber entsteht eine künstlich belichtete Mittelzone, die sich für Technik und Rückzugskabinen eignet, nicht für Dauerarbeitsplätze.

Was gehört zu einem Bürokonzept Open Space zwingend dazu?

Rückzugsorte. Ohne geschlossene Kabinen oder Räume für Telefonate und konzentrierte Arbeit entsteht faktisch ein Großraumbüro. Dazu kommen eine absorbierende Decke, eine Zonierung mit Trennelementen und verbindliche Regeln für die Nutzung der Zonen.

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